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Wir helfen Helfen
MEDICE · ISERLOHN
LEXIKON                                                   Nach oben ] Weiter ]
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VON
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UFMERKSAMKEIT
BIS
Z
APPELPHILIPP
A
Z
 
Herausgeber:
Medice, Iserlohn
ADHS, die Aufmerksamkeits-Defizit-
Hyperaktivitäts-Störung, ist ein sehr breit
gefächertes Krankheitsbild mit vielen verschie-
denen, von Kind zu Kind unterschiedlich aus-
geprägten Symptomen. Das Erscheinungsbild
bei Jungen und Mädchen kann sich unterschei-
den und verändert sich mit fortschreitendem
Alter bei Jugendlichen und Erwachsenen.
Es ist keine neu entdeckte Störung oder auf die
westliche Zivilisation beschränkt. Aber heute
wird in den Medien vermehrt darüber berichtet.
Häufig wird vor allem über die Notwendigkeit
einer medikamentösen Behandlung kontrovers
diskutiert.
Mit dieser Broschüre möchten wir einen Beitrag
leisten zur Information über das Krankheitsbild,
seine verschiedenen Symptome bis zu den Be-
handlungsmöglichkeiten. Die Broschüre erläu-
tert in kurzer Form die verschiedenen mit ADHS
zusammenhängenden Begriffe von A bis Z, wie
ein kleines Lexikon.
Violett
gedruckte Worte
werden an entsprechender Stelle (ergänzend)
erklärt.
So können selbst von der Krankheit Betroffene,
Eltern, Verwandte oder Freunde jederzeit
gezielt nachlesen und sich informieren.
Wir helfen Helfen
Medice, Iserlohn
VORWORT
 
Abhängigkeit
Sucht
ADHS
ADHS heißt Aufmerksamkeits-Defizit-
Hyperaktivitäts-Störung. Die Diagnose
wird meist
im
Kindesalter
als Kombination von
Aufmerksam-
keitsdefizit
, überschießender
Impulsivität
und
extremer Unruhe gestellt.
Dabei werden drei Gruppen unterschieden:
der vorwiegend
hyperaktive-impulsive
Zappelphilipp
,
die aufmerksamkeits-
gestörte "Träumsuse",
der Misch-Typ:
aufmerksamkeitsge-
stört und hyperaktiv.
ADHS führt zu verminderten Leistungen in
Schule
und
Beruf
, zu Störungen der Wahrnehmung und
in den sozialen Bezugssystemen.
ADS
Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, früher in
Deutschland übliche Bezeichnung für
ADHS
.
Aggressionen
Das impulsive Verhalten, die überzogene Reaktion
der Kinder und
Jugendlichen
, wird oft als
Aggression verkannt.
Aggressives Verhalten kann sich aber aus den
ständigen Frustrationen entwickeln. Kinder mit
ADHS
spüren, dass sie mit den Leistungen anderer
Kinder nicht mithalten können, sie werden selten
gelobt, aber oft kritisiert.
Appetitmangel
Appetitmangel ist eine häufige, aber harmlose
Nebenwirkung
von
Stimulanzien
. Durch Einnah-
mezeiten zu oder nach den Mahlzeiten kann diese
Nebenwirkung reduziert oder beseitigt werden.
Atomoxetin
Atomoxetin ist eine neue Substanz zur Behand-
lung der
ADHS
, die nicht zur Gruppe der
Stimu-
lanzien
gehört. Atomoxetin ist bisher nur in den
USA erhältlich, in Europa bzw. Deutschland fehlt
noch die Zulassung.
Amphetamin
Amphetamin gehört ebenfalls in die Gruppe der
Stimulanzien
und kann vom Arzt verschrieben
werden, wenn
Methylphenidat
nicht hilft. In
Deutschland ist es nicht als fertige Arznei im Han-
del und muss auf Anweisung des Arztes vom Apo-
theker - meist als Saft - gemischt werden.
Aufmerksamkeitsdefizit
Aufmerksamkeitsstörungen sind ein wesentliches
Symptom
bei
ADHS
. Schon im Kleinkindalter fällt
manchmal die geringe Ausdauer beim Spiel auf. In
der
Schule
können Arbeiten, die eine längere Zeit
erfordern, durch die geringe Aufmerksamkeits-
spanne nicht oder nur schlecht durchgeführt wer-
den.
Auslassversuch
Erst nach mehrmonatiger Behandlung kann der
Versuch sinnvoll sein, das
Medikament
eine Zeit
lang, z.B. in den Ferien abzusetzen, um einen
möglichen Verzicht auf das Medikament zu testen.
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Begleitkrankheiten
Neben der
ADHS
werden oft komorbide Störun-
gen (Begleitkrankheiten) erkannt, z.B. Störungen
des
Sozialverhaltens
, aggressive Verhaltensstörun-
gen, depressive Tendenzen, Angst- und Zwangs-
störungen, Lernschwierigkeiten,
Teilleistungs-
schwächen
, Sprach- und Sprechstörungen oder
Tics
.
Berufe
Grundsätzlich stehen alle Berufe offen, für die
sich die
Jugendlichen
interessieren und für den sie
den schulischen Abschluss haben. Es hat sich ge-
zeigt, dass handwerkliche, soziale und kreative
Berufe oder eine Tätig-
keit im Verkauf oder
Außendienst günstig
sind. Weniger geeignet
sind z.B. Verwaltungs-
berufe.
Betäubungsmittel
Einige
Medikamente
gegen
ADHS
gelten als
Betäubungsmittel und unterliegen besonderen
Vorschriften. Für
Methylphenidat
darf in einem
Monat nicht mehr als 2.ooo mg verordnet wer-
den. Für die Mitnahme von Betäubungsmittel ins
Ausland, z.B. im
Urlaub
, benötigt man eine beson-
dere Bescheinigung, die vom Arzt ausgestellt
wird.
Diagnose
Für die Diagnose haben die Arbeitsgemeinschaft
ADHS
der
Kinder- und Jugendärzte
und die
Kinder- und Jugendpsychiater Leitlinien
erstellt.
Um sich ein genaues Bild über die betroffenen
Kinder zu machen, werden
Eltern
,
Lehrer
und
 
 
Erzieher befragt. Das Kind selbst wird körperlich
untersucht und die
Intelligenz
, Aufmerksamkeit
und Ausdauer getestet. Ebenso müssen andere
Erkrankungen ausgeschlossen werden. Erschwe-
rend sind eine Fülle von
Begleitkrankheiten
.
Dopamin
Dopamin ist ein
Neurotransmitter
, ein Botenstoff
im Hirnstoffwechsel, der Reize und
Impulse zwischen Nervenzellen über-
trägt. Bei Kindern mit
ADHS
ist der
Dopaminstoffwechsel im Gehirn ge-
stört, weil nicht genügend Dopmin zur
Verfügung steht. Damit stören ständig
neue Reize und Impulse die Aufmerk-
samkeit und Konzentration.
Methylphenidat
bewirkt, dass mehr
Dopamin zur Verfügung steht und
verbessert somit die Stoffwechselsitua-
tion, ähnlich wie z.B. das Insulin einem
zuckerkranken Patienten hilft.
Drogen
Untersuchungen haben deutlich gemacht, dass
Jugendliche
mit
ADHS
häufig Alkohol- und Dro-
gen-Probleme haben. Bei
Erwachsenen
besteht
diese auffällige Tendenz auch zur
Kriminalität
.
Eine Behandlung mit
Methylphenidat
im Rahmen
der
Multimodalen Therapie
bietet einen Schutz
vor diesem
Sucht
-Risiko.
Eltern
Der genetische Faktor, die
Vererbung
, ist eine
wesentliche
Ursache
der
ADHS
. Für die
Diagnose
sind die Schilderungen der Eltern über das Verhal-
ten des Kindes ein unverzichtbarer Bestandteil.
Im Rahmen der Behandlung des Kindes müssen
 
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Störungen im
Hirnstoffwechsel
Überträgerstoffe werden
zu rasch und
zu intensiv abgebaut
Informations-
Übertragungen sind gestört
oder erfolgen nicht
auch die Eltern eingehend beraten werden. Denn
durch unzureichende Erziehungsmethoden kön-
nen
Symptome
der ADHS bei dem Kind verstärkt
werden, durch z. B. geringe Zuwendung, fehlende
Regeln und Inkonsequenz.
Epilepsie
Epileptische Anfälle sind eine mögliche
Neben-
wirkung
bei
Stimulanzien
, wenn schon vorher
eine Anfallsbereitschaft besteht. Bei Kindern mit
Epilepsie und
ADHS
wurden aber trotz Stimu-
lanzien-Therapie keine häufigeren Anfälle beob-
achtet.
Ergotherapie
Die Ergotherapie kann bei Kindergarten- und
Vorschulkindern mit
ADHS
eine ergänzende Maß-
nahme sein. Damit kann das Selbstvertrauen
gestärkt und das gestörte
Sozialverhalten
ver-
bessert werden. Auch Störungen der Fein- und
Grobmotorik, die sich durch z.B. schlechte Schrift
oder unkontrollierte Bewegungen zeigen, können
gezielt behandelt werden.
Ernährungstherapie
Nahrungsmittel oder bestimmte Zusätze sind
keine
Ursache
der
ADHS
.
Bei der Behandlung kann jedoch eine Diät mit
Nahrungsmitteln, die selten eine Allergie aus-
lösen, hilfreich sein.
Erwachsene
ADHS
ist nicht heilbar. Deshalb bestehen die
Symptome
mit mehr oder weniger starker Aus-
prägung oder in veränderter Form bei vielen Be-
troffenen auch noch im Erwachsenenalter.
Sie sind vergesslich, können Auf-
gaben nicht planen oder durch-
führen, berufliche und soziale
Bindungen sind oft gestört, sie
leiden unter Ängsten und De-
pressionen. Auffällig ist die Nei-
gung zu Alkohol,
Drogen
und
Kriminalität
.
Unter fortgesetzter
Multimodaler Therapie
kom-
men jedoch die meisten Erwachsenen mit ihrem
Leben zurecht und können es ihren Fähigkeiten
entsprechend führen.
Erziehungsregeln
Klare, einfache Regeln erleichtern den Umgang
mit dem Kind: Disziplin und Konsequenz, Lob für
Erfolge, kleine Strafen, wenn die Regeln miss-
achtet wurden.
Eltern
sollten nicht versuchen per-
fekt zu sein und auch etwas für sich selbst tun. Ein
spezielles Elterntraining kann hierbei hilfreich
sein.
Häufigkeit
Man schätzt, dass in Deutschland etwa 5 % der
Kinder zwischen 6 und 18 Jahren, mehr Jungen als
Mädchen,
ADHS
haben, also ca. 500.000 Be-
troffene. Bei Jungen überwiegt die
Hyperaktivi-
tät
, bei Mädchen das
Aufmerksamkeitsdefizit
. Nur
etwa 100.000 Kinder werden bisher mit
Medika-
menten
behandelt. Die
Diagnose
ADHS wird
heute öfter gestellt, weil inzwischen das Krank-
heitsbild besser bekannt ist.
Hirnstoffwechsel
Dopamin
 
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Hyperaktivität
Übersteigerter Bewegungsdrang, ständige
Unruhe, ein häufiges
Symptom
bei
ADHS
, oft als
Zappelphilipp
bezeichnet.
Hyperkinetisches Syndrom
Frühere Bezeichnung für
ADHS
.
Impulsivität
Spontane, plötzliche Handlungen der Betroffenen,
ohne zu überlegen und die Folgen zu bedenken,
ein Kern-
Symptom
der
ADHS
.
Intelligenz
ADHS
und Intelligenz sind unabhängig voneinan-
der, Personen mit Minderbegabung wie Hoch-
begabte können betroffen sein. ADHS-Patienten
können aber oft nicht alle ihre Fähigkeiten aus-
schöpfen und erzielen daher nicht die ihnen in
Schule
und
Beruf
eigentlich möglichen
Leistungen.
Jugendliche
ADHS
ist nicht auf das
Kindesalter
beschränkt, es
ändert sich jedoch (oft in der
Pubertät
) das Er-
scheinungsbild. Jugendliche, die nicht behandelt
werden, haben oft eine Null-Bock-Mentalität, sie
verweigern die Leistung, die Befolgung von
Anordnungen, neigen zu Wutausbrüchen und
Beschimpfungen. Sie haben oft Alkohol- oder
Drogen
-Probleme und haben häufiger Verkehrs-
unfälle.
 
 
Kinder- und Jugendärzte
Kinder - und Jugendärzte sind häufig die erste
Anlaufstelle für Eltern mit betroffenen Kindern.
Die
Diagnose
und Behandlung der
ADHS
sollte
nur von spezialisierten Kinder- und Jugendärzten
oder
Kinder- und Jugendpsychiatern
durchge-
führt werden.
Sie sind für die Diagnose zuerst auf die Beschrei-
bung des Verhaltens durch die
Eltern
, aber auch
der
Lehrer
und Betreuer angewiesen.
Kinder- und Jugendpsychiater
Kinder- und Jugendpsychiater sind Spezialisten
für psychische Erkrankungen bei Kindern.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugend-
psychiatrie und Psychotherapie hat
Leitlinien
für
die
Diagnose
und Therapie der
ADHS
erarbeitet,
die auf jahrelanger Erfahrung und den Ergeb-
nissen internationaler Studien beruhen.
Kindesalter
Schon im Kleinkindalter bzw. im Kindergarten
können ständige Unruhe, häufige Handlungs-
wechsel und geringe Ausdauer Hinweise für das
Vorliegen der
ADHS
geben.
In der
Schule
fallen die
Symptome
oft besonders
auf. Die Betroffenen akzeptieren keine Regeln,
stören den Unterricht, sie zeigen Lern- und
Leistungsschwächen.
Komorbidität
Begleitkrankheiten
Kriminalität
Neben erhöhtem Alkohol- und
Drogen
-Konsum
ist bei Menschen mit
ADHS
, die nicht mit
Stimu-
 
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lanzien
behandelt werden, auch eine überdurch-
schnittliche Kriminalitätsrate festzustellen.
Lehrer
Lehrer können entscheidende Hinweise auf
ADHS
geben, weil die Verhaltensauffälligkeiten der
Kinder bei der notwendigen Disziplin in der
Schule
sehr schnell sichtbar werden.
Lehrer müssen über ADHS informiert und aufge-
klärt sein, sie können durch ihre Beobachtungen
auch über die Wirksamkeit der Therapie wichtige
Hinweise liefern.
Leitlinien
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Ju-
gendpsychiatrie und Psychotherapie sowie die
Arbeitsgemeinschaft ADHS der
Kinder- und
Jugendärzte
haben weitgehend übereinstimmen-
de Regeln für die
Diagnose
und
Multimodale
Therapie
der
ADHS
aufgestellt.
Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS)
Als
Teilleistungsstörung
treten bei Kindern mit
ADHS
oft auch Lese- und Rechtschreibschwächen
oder
Rechenschwächen
auf, die meist in der
Schule
festgestellt werden.
Medikamente
Nach den
Leitlinien
werden
Stimulanzien
bei
ADHS
bevorzugt eingesetzt, wobei
Methylpheni-
dat
aufgrund der internationalen Erfahrung
Mittel der ersten Wahl ist. Ist diese Substanz nicht
ausreichend wirksam, kann auch ein
Amphetamin
verordnet werden.
Methylphenidat
Methylphenidat ist eine seit Jahrzehnten be-
 
 
 
währte Substanz zur Behandlung der
ADHS
.
Sie reguliert die Reizübertragung im Hirn und
sorgt dafür, dass die Aufmerksamkeit nicht stän-
dig auf neue Reize gelenkt wird.
Methylphendiat verbessert die Fähigkeit zur
Selbstkontrolle und zur Steuerung der Gefühle. Ei-
ne gute medikamentöse Einstellung kann im Rah-
men der
Multimodalen Therapie
die
Symptome
vermindern oder verschwinden lassen. Ob im ein-
zelnen Fall kurz wirksame Präparate (3-4 Stunden)
oder
Retard
-Versionen ( 6-8 Stunden) eingesetzt
werden, muss individuell entschieden werden.
Andere
Medikamente
, die bei ADHS zum Einsatz
kommen, sind z.B.
Amphetamin
oder
Atomoxetin
.
Multimodale Therapie
Viele internationale Studien haben gezeigt, dass
die
Multimodale Therapie
mit Beratung der
Eltern
und
Lehrer
, Elternbetreuung,
Verhaltenstherapie
und
Methylphenidat
die besten Erfolge hat.
Nebenwirkungen
Als Nebenwirkungen von
Methylphenidat
werden
vor allem
Appetitmangel
und
Schlafstörungen
genannt, die durch geänderte Dosierungen ver-
mindert oder beseitigt werden können.
Tics
kön-
nen durch
Stimulanzien
ausgelöst oder bestehen-
de Tics verschlechtert werden. Meist verschwinden
sie jedoch nach 4 bis 6 Wochen.
 
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Neurotransmitter
Neurotransmitter übertragen Reize und Impulse
über die Synapse, die Kontaktstelle zwischen zwei
Nervenzellen. Bei
ADHS
ist der Stoffwechsel von
Dopamin
, einem wichtigen Neurotransmitter,
gestört.
Parkinson
Manchmal wird in der Presse vor Parkinson als
Spätfolge einer Behandlung mit
Methylphenidat
gewarnt. Trotz jahrzehntelanger Anwendung von
Methylphenidat ist aber bisher kein einziger Fall
von Parkinson festgestellt worden.
Psychostimulanzien
Stimulanzien
Pubertät
In der Pubertät vermindert sich bei manchen
Betroffenen die überschießende Motorik mit den
unkontrollierten Bewegungsabläufen, sie lernen
mit den Beeinträchtigungen umzugehen bzw.
Problemfelder zu vermeiden. In dieser schwieri-
gen Lebensphase sollte eine Behandlung jedoch
nicht vorschnell abgebrochen werden. Auch bei
Erwachsenen
bestehen die Probleme mit vermin-
derten oder veränderten
Symptomen
oft weiter.
Rechenschwäche
Eine Rechenschwäche wird bei Kindern mit
ADHS
oft in der
Schule
festgestellt, manchmal kombi-
niert mit einer
Lese- und Rechtschreibschwäche
.
Retard
Die Wirkung von
Methylphenidat
beginnt nach
etwa 3o Minuten und hält ca. 4 Stunden an, dann
ist eine neue Einnahme erforderlich. Eine neue
 
 
 
Retard-Tablette, die den Wirkstoff in zwei Stufen
freigibt, wirkt etwa 8 Stunden, bei morgendlicher
Einnahme also bis ca. 16.00 Uhr. Andere Retard-
Präparate haben eine 3-stufige Freigabe, bei
denen die Wirkung erst nach 12 Stunden, also
abends nachlässt. Damit können
Schlafstörungen
und
Appetitmangel
nicht ausgeschlossen werden.
Schlafstörungen
Bestehen Einschlafstörungen schon vor der
Behandlung mit
Stimulanzien
, können sie durch
die medikamentöse Therapie gebessert werden.
Treten sie mit der Medikation auf, kann eine
Änderung der Dosis am Nachmittag oder Abend
helfen.
Schule
Durch die Leistungsanforderungen in der Schule
wird
ADHS
bei den Kindern oft erst dort erkannt.
Die Kinder haben nur eine geringe Ausdauer, sie
sind leicht abzulenken
und stören oft den Unter-
richt. Lern- und Leistungs-
schwächen werden deut-
lich, eine
Lese-Recht-
schreibschwäche
und/oder
Rechenschwäche
fällt auf.
Selbsthilfegruppen
Für Eltern und Betroffene sind Selbsthilfegruppen
eine große Hilfe, weil sie dort frei über ihre
Probleme reden und Informationen austauschen
können.
(Adressen s. Anhang)
 
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Selbstwertgefühl
Eine rechtzeitige Gabe von
Methylphenidat
im
Rahmen der
Multimodalen Therapie
hilft den
Kindern bzw.
Jugendlichen
, dass sie von anderen
Menschen akzeptiert werden. Die Therapie för-
dert die soziale Integration und bessert das Selbst-
wertgefühl. Mit Methylphenidat behandelte
Kinder nehmen später seltener
Drogen
und die
Gefahr der
Kriminalität
wird geringer.
Sozialverhalten
Mit der
Multimodalen Therapie
kann das Kind
sein Potenzial nutzen, es wird akzeptiert und inte-
griert. Damit steigt auch das gestörte
Selbstwert-
gefühl
.
Stimulanzien
Der Begriff Stimulanzien bezieht sich auf die
Wirkung der Substanzgruppe bei Menschen ohne
ADHS
, sie wirken dort anregend und stimulierend.
Bei Menschen mit ADHS verbessern sie die Fähig-
keit zur Selbstkontrolle. Stimulanzien beeinflussen
die Botenstoffe im Hirnstoffwechsel, vor allem
Dopamin
.
Stimulanzien sind heute die
Medikamente
der
Wahl bei der Therapie der ADHS. An erster Stelle
steht die Substanz
Methylphenidat
. Es werden
aber auch
Amphetamine
und andere Substanzen
eingesetzt.
Sucht
Die jahrzehntelange Anwendung von
Methylphe-
nidat
hat keine Hinweise auf Abhängigkeiten ge-
zeigt. Bei unbehandelten
ADHS
-Patienten besteht
eine verstärkte Neigung zu Suchtverhalten und
Kriminalität
. Viele Studien haben gezeigt, dass
Methylphenidat diese Risiken deutlich vermindert.
 
Symptome
Leitsymptome der
ADHS
sind
Aufmerk-
samkeitsdefizit
,
Hyperaktivität
und
Impulsivität
. Zusätzliche Symptome kön-
nen Störungen der Wahrnehmung und
der Motorik, schlechte Schrift,
Lese- und
Rechtschreibschwäche
oder
Rechen-
schwäche
sein.
ADHS
ist häufig mit
Begleitkrankheiten
verbunden. Die Symptome und deren
Ausprägung vom Kindesalter ändert sich
oft bei
Jugendlichen
und
Erwachsenen
.
Teilleistungsstörungen
Kinder mit
ADHS
haben oft zusätzliche Störungen
der Wahrnehmung und der Motorik.
Schwerwiegend sind eine
Lese-Rechtschreib-
schwäche
und/ oder
Rechenschwäche
.
Therapie
Multimodale Therapie
Tics
Unwillkürliche Muskelzuckungen sind manchmal
eine
Begleitkrankheit
bei
ADHS
und können
durch
Stimulanzien
verstärkt oder ausgelöst wer-
den. Oft verschwinden die Tics nach einigen
Wochen der Therapie.
Titration
Die individuelle Einstellung auf die richtige
Dosierung des
Medikamentes
wird Titration
genannt. Die Therapie sollte mit einer niedrigen
Dosis begonnen und in kleinen Stufen bis zum
Erreichen einer verträglichen und genügend wirk-
samen Dosis gesteigert werden. Dabei gilt der
Grundsatz, die Dosis so klein wie möglich zu hal-
 
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ten. Deshalb sind für die Einstellung Präparate
ohne
Retard
-Wirkung besser geeignet.
Unaufmerksamkeit
Aufmerksamkeitsdefizit
Urlaub
Wenn die Betäubungsmittel-Medikamente, die
das Kind einnimmt, während des Urlaubs mit ins
Ausland genommen werden sollen, stellt der Arzt
hierfür eine besondere Bescheinigung aus, damit
es bei eventuellen Kontrollen an der Grenze keine
Probleme gibt.
Ursachen
Bei
ADHS
ist die wesentliche Ursache (häufig
durch
Vererbung
) eine fehlerhafte Informations-
verarbeitung im Gehirn durch Störungen im
Hirnstoffwechsel
. Es kommen dauernd neue
Informationen und Impulse durch, die zu einem
Aufmerksamkeitsdefizit
führen, den Aufbau von
Motivation, den Ausgleich von Affekten und den
Zugriff auf vorhandene Fähigkeiten stören.
Vererbung
Genetische Faktoren spielen bei der
Ursache
der
ADHS
eine wesentliche Rolle. Familienunter-
suchungen haben gezeigt, dass bei Kindern mit
ADHS
ein Elternteil sehr häufig im
Kindesalter
ebenfalls unter diesen
Symptomen
gelitten hat
oder heute noch als
Erwachsener
unter (verän-
derten)
Symptomen
leidet.
Verhaltenstherapie
Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches
Verfahren, das oft im Rahmen der
Multimodalen
Therapie
bei
ADHS
eingesetzt wird. Dabei sollen
 
 
 
störende Verhaltensweisen abgebaut und Strate-
gien zur Bekämpfung der
Symptome
erlernt wer-
den.
Zappelphilipp
ADHS
ist keine "moderne Zivilisa-
tionskrankheit". Der "Zappel-
philipp" wurde schon im Struwwel-
peter von Heinrich Hoffmann, einem
Nervenarzt, 1848 beschrieben.
Anhang Selbsthilfe-Organisationen:
 
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BAG-TL
Bundesgemeinschaft zur Förderung
von Kinder n und Jugendlichen mit
Teilleistungsstörungen
(MCD/HKS) e.V.
Wendelinstraße 64, 50933 Köln
E-Mail: BAG-TL@t-online.de
BV-AÜK
Bundesverband Arbeitskreis
Überaktives Kind e.V.
Postfach 410724, 12117 Berlin
www.auek.de
E-Mail: bv.auek@t-online.de
JUVEMUS
Vereinigung zur Förderung von
Kinder n und Erwachsenen mit
Teilleistungsschwächen (MCD)
Obergraben 25, 56567 Neuwied
www.juvemus.de
E-Mail: info@juvemus.de
VzFwK
Verein zur Förderung
wahrnehmungsgestörter Kinder e.V.,
Ben-Gurion-Ring 161,
60437 Frankfurt
www.wahrnehmungsstoerungen.de
E-Mail: Verein.zFw@t-online.de
BV-AH
Bundesverband Aufmerksamkeits-
störungen/Hyperaktivität e.V.
Postfach 60, 91291 Forchheim
www.bv-ah.de
E-Mail: info@bv-ah.de
BV-Seht
Bundesvereinigung
Selbständigkeitshilfe bei
Teilleistungsschwäche e.V.,
Pielachtalstraße 39,
67071 Ludwigshafen
www.seht.de
E-Mail: bv@seht.de

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