Behandlung von ADS / ADHS
Die Therapie des AD(H)S im Erwachsenenalter besteht in einer medikamentösen Behandlung, die begleitet sein sollte von einer eingehenden Aufklärung des Patienten über sein Krankheitsbild sowie von tiefenpsychologisch orientierten psychotherapeutischen Maßnahmen. Dabei sollte der Betroffene wissen:
• Es handelt sich um eine meist vererbte Erkrankung, die mit speziellen Auffälligkeiten im Hirnstoffwechsel einhergeht.
• Durch Medikamente können bei einer großen Zahl von Patienten die Symptome befriedigend behandelt werden.
Aus der klinischen Diagnose einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter leitet sich nicht automatisch eine Behandlungsnotwendigkeit ab. Es wird empfohlen, eine Behandlung dann zu beginnen, wenn - nach Durchführung einer vollständigen psychiatrischen Längs- und Querschnittuntersuchung - eindeutig durch ADHS verursachte krankheitswertige Symptome bestehen, ausgeprägte Störungen in mindestens einem Lebensbereich, oder weniger ausgeprägte Störungen im mehreren Lebensbereichen. Allgemein wird ein multimodales Behandlungskonzept empfohlen, das sowohl eine medikamentöse als auch eine psychotherapeutische Behandlung der Kinder und psychoedukative Maßnahmen bezüglich der Eltern umfasst. Die meisten empirischen Studien, belegen eine geringfügig bessere Wirksamkeit der multimodalen Behandlung im Vergleich zu einer ausschließlichen Behandlung mit Stimulantien.
Auch 2 neuere Studien des National Institute of Mental Health Multimodal Treatment belegen, dass Medikamente deutlich besser wirksam sind, als verhaltenstherapeutische Interventionen alleine. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass nach Absetzen der Medikation ein deutlicherer Teil des Medikamenteneffektes wieder verloren geht, als die bei einer Verhaltenstherapie der Fall ist. Dennoch bleibt auch dann wegen des größeren initialen Effekts mehr Wirksamkeit erhalten. Regelmäßige (monatliche) ärztliche Kontrollen sind aber auch bei ausschließlicher medikamentöser Behandlung seltenen ärztlichen Kontrollen überlegen. Methylphenidat bewirkt ein gering vermindertes Wachstum.
Auch eine andere neue Studie stellt fest, dass zusätzliche Maßnahmen zur Methylphenidatbehandlung (seien sie spezifisch oder unspezifisch) keinen zusätzlichen Beitrag zum Behandlungserfolg leisten. Dies bezieht sich sowohl auf die Kernsymptomatik der Störung als auch auf die Schulleistungen, die emotionale Befindlichkeit der Kinder, das Sozialverhalten und das Erziehungsverhalten der Eltern.
• Eine alleinige psychotherapeutische Behandlung beseitigt die Symptome nicht.
• Symptome wie affektive Störungen (Stimmungsschwankungen, depressive Grundstimmung) stören v. a. den Patienten selbst – sie sind häufig auch der Grund zur Vorstellung beim Arzt -,andere, wie Aufmerksamkeitsstörungen, belasten die Beziehung zum Partner, die Neigung zur Desorganisation wirkt sich auch im Beruf störend aus, alles mögliche Ursachen für die Vorstellung beim Arzt bzw. Psychotherapeuten. Oft stimmt der Patient einer medikamentösen Behandlung zunächst nicht zu, da er sich eine Änderung seines Verhaltens durch eine Medikation nicht vorstellen kann. Lehnt der Patient eine medikamentöse Therapie ab, sollte man wegen der oft gravierenden Selbstwertproblematik; ihn zunächst psychotherapeutische Maßnahmen wahrnehmen lassen, ihm dann aber – falls sich die geklagten Symptome nicht zufriedenstellend zurückbilden (was wahrscheinlich ist) – anbieten, sich jederzeit zur probatorischen medikamentösen Behandlung wieder vorstellen zu können. Während die Behandlung mit Stimulantien bei Kindern mit AD(H)S bereits 1937 beschrieben wurde, datieren erste Berichte über diese Therapie bei Erwachsenen mit Symptomen des AD(H)S 10 Jahre später mit guter und rascher Besserung unter langjähriger Therapie.
Eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen Behandlung kann auch Verhaltenstherapie
sein, da bei
einer Störung wie dem AD(H)S die verbesserte Selbstorganisation ein
wesentliches Therapieziel darstellt. Die Aufklärung über die Art der
Erkrankung ist naturgemäß wesentlich einfacher bei Eltern von betroffenen
behandelten Kindern; diese Eltern kommen ja deshalb mit dem Wunsch nach
entsprechender Behandlung zum Arzt, weil sie bei sich Parallelen zum
Verhalten des Kindes entdeckt haben. In diesem Fall sind den erwachsenen
Patienten bereits die Symptome und die Besserung durch die
Pharmakotherapie bekannt. Schwieriger gestalten sich Aufklärung und
Behandlung bei Patienten ohne entsprechende Erfahrungen in ihrer Familie.
Zur Psychotherapie gibt es bisher keine multizentrischen, randomisierten
Untersuchungen mit großer Fallzahl, aber Vergleichsstudien, die gute
Effekte von symptomorientierten Therapieprogrammen zeigen. Komorbide
Störungen (begleitend vorhandene andere psychische Störungen), die eine
große Relevanz bei der ADHS im Erwachsenenalter haben, sollten bei der
Behandlungsplanung berücksichtigt werden.
Unbehandelt sind langfristig bei AD(H)S durchaus erhebliche psychiatrische Folgeerkrankungen zu befürchten. Persönlichkeitsstörungen entwickeln sich leider nicht selten. Bei Jungen vor allem auch Störungen des Sozialverhaltens mit Delinquenz. Kinder mit HKS beginnen im Durchschnitt früher mit einem Alkoholkonsum und haben besonders wenn Persönlichkeitsstörungen dazu kommen ein höheres Suchtrisiko.
An Medikamenten werden bei Kindern wie Erwachsenen die Stimulantien Methylphenidat 20 -50 mg und Pemolin 30- 70 mg eingesetzt. Problem ist hier, dass diese Medikamente bei dieser Indikation in Deutschland bisher nicht zugelassen sind und unter das BTM fallen. Die Behandlung gestaltet sich hier in den USA bei Kindern wie Erwachsenen wesentlich einfacher. Dort sind auch die Ängste vor diesen Medikamenten geringer. Das Risiko einer Abhängigkeit oder Toleranz scheint nach der Literatur bei korrekter Diagnose sehr gering. Die Medikamente haben als "Aufputschmittel" , die diese speziellen Patienten aber beruhigen, allerdings ein durchaus erhebliches Nebenwirkungsrisiko, die Behandlung bedarf auf jeden Fall einer fachärztlichen Überwachung. (Pemolin kann manchmal tödliche Leberschäden machen, Methylphenidat kann psychiatrische und neurologische Erkrankungen auslösen, außerdem Bluthochdruck und kardiovaskuläre Erkrankungen). Methylphenidat und Amphetamin wirken überwiegend dadurch, dass sie das verfügbare extrazelluläre Dopamin im Striatum und Hirnrindengebieten erhöhen. Beide erhöhen den Dopaminspiegel in dem sie auf die Dopamintransporter wirken, Methylphenidat in dem es diese blockiert und Amphetamin dass es die Freisetzung von Dopamin aus dem Nervenendigungen unter Nutzung der Dopamintransporter fördert. Die Fähigkeit von Methylphenidat und Amphetamin den Dopaminspiegel zu erhöhen führt auch zu einer Wirkung auf das Hirnbelohnungssystem, die für die mögliche Suchtgefahr verantwortlich ist. Andere Gründe für eine mögliche Suchtgefahr können die allgemein Leistungssteigernde Wirkung und die Gewichtsabnahme sein.
Dosierungsbereich für Stimulantien bei Schulkindern
| Chemische Kurzbezeichnung | Medikament | HWZ(h) | mg/kg KG | Dosierung / Tag ca. | Anzahl der Einzelgaben |
|---|---|---|---|---|---|
| Methylphenidat | Ritalin (10 mg Tabl.) | 2,5 | 0,5-1,0 | 10-40 mg | 1-3 |
| D-L-Amphetamin | Amphetaminsaft | 5-8 | 0,1-0,5 | 5-20 mg | 1-3 |
| Fenetyllin | Captagon (50 mg Tabl.) | 5-8 | 0,5-1,5 | 12,5-100 mg | 1-2 |
| Pemolin (nur wenn andere Medikamente nicht wirken und bei enger Überwachung der Leberfunktion als Einzeltherapie). Berichtet sind mindestens 21 Personen mit Leberversagen, 13-mal Transplantationsbedarf oder tödlichem Ausgang. In den USA, Kanada, Großbritannien nicht mehr auf dem Markt. | Tradon (20 mg Tabl.) | 8-12 | 0,5-2,0(-3,0) | 20-100 mg | 1 |
| Möglicherweise wirksam | Modafinil (Vigil) Donezepil (Aricept) |
Entgegen früheren Bedenken hinsichtlich einer etwaigen Abhängigkeitsentwicklung deuten Untersuchungen sogar eher auf eine Prävention einer späteren Missbrauchsproblematik hin. Auch Bedenken bei zusätzlich vorhandenen Tics, dahingehend, dass sich dies durch die Ritalinbehandlung verstärken, haben anscheinend keine Grundlage.
Nach den vorliegenden Untersuchungen ist die Gabe von retardiertem Methylphenidat beim Autofahren sicher und fördert bei von ADHS betroffenen die Konzentration und verringert damit Fehler durch Unaufmerksamkeit.
Amphetamine und andere Stimulantien können Psychosen auslösen. Besonders beachtet werden muss dies, wenn in der Familie psychotische Erkrankungen bekannt sind. Ob sich hieraus immer eine chronisch verlaufende Schizophrenie entwickelt ist nicht bekannt. (L. K. Surles et al 2003), anderseits scheint auch bei vorliegenden manischen Symptomen Methylphenidat zumindest bei Kindern sicher zu sein. Methylphenidat hat in einer neuen Untersuchung von gesunden Erwachsenen eindeutig das Interesse an einer Mathematikaufgabe gefördert, nur in Kombination mit der Lernaufgabe stieg auch der Dopaminspiegel an. Die Autoren der Studie vermuten, dass interessanter Lernstoff einen ähnlichen Effekt hat wie das Methylphenidat. Interesse am Unterricht und ein interessanter Unterricht, kann möglicherweise eine Alternative zu Methylphenidat in leichteren Fällen der Störung sein. Amphetamin hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin in das präsynaptische Neuron durch Bindung an den Dopamintransporter (genauso wie Methylphenidat), wird selbst über den Transporter in die Zelle aufgenommen und bewirkt zusätzlich eine Freisetzung von Dopamin aus den axonalen Terminalen über eine Umkehr des Transports durch den Dopamintransporter. Amphetamin indiziert die Speicherung von Dopamin in die intrazellulären Vesikel des präsynaptischen Neurons und erhöht so die zytoplasmatische Verfügbarkeit und verhindert den Abbau des Neurotransmitters durch Blockade des Enzyms Monoaminooxidase. Jede dieser Wirkungen trägt zu einer Erhöhung der Dopaminkonzentration im synaptischen Spalt bei. Amphetamin führt nicht nur im Striatum, sondern auch in limbischen Strukturen zur Dopaminfreisetzung. Methylphenidat wird offensichtlich selbst nicht über den präsynaptischen Transporter in die dopaminerge Zelle hineintransportiert, sondern entfaltet seine Wirkung über die reine Blockade des Transportermoleküls, an das es mit hoher Affinität - in therapeutischen Dosen mehr als 50% laut PET Befunden - bindet und so die Wiederaufnahme von Dopamin in die Zelle hemmt.
Alternativen ohne theoretisches Abhängigkeitsrisiko zu Methylphenidat und Amphetamin
Alternativ werden vor allem bei Erwachsenen trizyklische Antidepressiva eingesetzt; unter relativ hochdosierter Behandlung mit den Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer Desipramin (im Mittel 183 mg/d) oder Nortriptylin (im Mittel 92 mg/d) wurde eine Besserung bei 68% ihrer Patienten berichtet. Auch niedrigere Dosen sind bei vielen Patienten wirksam. Andere Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer wie Reboxetin (Edronax, Solvex) oder das in den USA jetzt für die Indikation unter dem Namen Strattera zugelassene Atomoxetin scheinen ebenfalls wirksam. Atomoxetin ist inzwischen auch in Deutschland für die Indikation zugelassen. Auch für Imipramin sind gute Ergebnisse bei Erwachsenen mit HKS berichtet worden . Positive Effekte wurden in offenen Studien für das neue Antidepressivum Venlafaxin beschrieben. Weniger gesichert sind die Ergebnisse mit Betarezeptorenblockern wie, Propanolol und Nadolol. Insgesamt ist am ehesten für die selektiven Noradrenalin Wiederaufnahmehemmer eine Wirksamkeit anzunehmen. Desipramin und Reboxetin sind dabei unter rein klinischen Aspekten dem Atomoxetin vorzuziehen. Es ist demnächst mit einer kräftigen Werbekampangen für Atomoxetin zu rechnen, immerhin wird es das erste Medikament sein, das für Erwachsene bei dieser Indikation zugelassen ist. Zu bedenken ist allerdings, dass es für das nicht mehr patentgeschützte Desipramin einfach deshalb weil es nicht mehr patentgeschützt ist, keine Zulassungsstudien und kein Zulassungsverfahren für die Indikation geben wird, da hiermit von der Industrie zu wenig verdient werden kann. Atomoxetin ist als Strattera® in den USA seit November 2002 zugelassen, auch in Großbritannien ist es seit Juli 2004 zugelassen. Allerdings handelt es sich um eine neue Substanz, ob sie Vorteile gegenüber dem höchstselektiven Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer Desipramin in Wirksamkeit und Verträglichkeit bringt ist zumindest offen. Zu bedenken ist, dass ein Teil der Nebenwirkungen neuer Substanzen erst in den ersten Jahren nach Zulassung bekannt werden. So wird neuerdings über vermehrte Leberschäden unter Atomoxetin berichtet. Eine QT-Zeit Verlängerung soll möglich sein. Über vermehrte Aggressivität wird teilweise berichtet. In Deutschland ist das Medikament bisher nur für Kinder und Jugendliche zugelassen. Jedenfalls gibt es derzeit keinen Grund Patienten, die gut auf Desipramin oder Reboxetin eingestellt sind auf Atomoxetin umzustellen. Ähnlich wie Methylphenidat oder Amphetamine sind die Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer Desipramin, Reboxetin und Atomoxetin antriebssteigernd. Bei Patienten mit gleichzeitig vorhandener depressiver Störung muss deshalb zu Beginn der Behandlung besonders auf eventuell vorhandene begleitende Suizidalität geachtet werden. Durch die Antriebssteigerung sind vor allem in den ersten 3 Wochen der Behandlung Suizidhandlungen bei sonst gehemmten suizidalen Menschen möglich. Siehe zur Suizidalität. Ähnlich wie bei Methylphenidat oder Amphetaminen sind zu Beginn der Behandlung Schlafstörungen, innere Unruhe möglich. In den ersten Tagen hauptsächlich sind (im Vergleich zu anderen TZA seltene) anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung, Sehstörungen und vor allem bei älteren Menschen Harnverhalt möglich. Bei Menschen mit Neigung zu epileptischen Anfällen sollte eine entsprechende neurologische Überwachung erfolgen. Bei schweren Leberschäden und bestimmten Herzerkrankungen sollten diese Medikamente nicht gegeben werden, bei erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom) nur unter Behandlung und entsprechender Überwachung. Entsprechende Einschränkungen der Kombinationsmöglichkeiten müssen beachtet werden.
Desipramin kann auch bei Kindern eine Alternative darstellen.
Das Antidepressivum Desipramin zeigte in einer doppelblinden placebokontrollierten Studie sich bei 41 Kindern und Jugendlichen mit der Kombination einer chronischen Tic- Störung und einer Hyperaktivitäts- Aufmerksamkeitsstörung für beide Syndrome als erfolgreich. Bei einschleichender Dosierung waren die Nebenwirkungen verhältnismäßig gering. Vorteil ist, dass das Antidepressivum kein Abhängigkeitspotential besitzt und länger wirkt als das hauptsächlich bei dieser Indikation eingesetzte Ritalin. Hinzu kommt, dass das Antidepressivum längerfristig auch zusätzliche depressive Symptome und Ängste verbessern kann. Weiter hinzu kommen positive Effekte auf den Schlaf. Voraussetzung zur Behandlung der Syndrome mit diesem Antidepressivum ist, dass vor Beginn der Behandlung und in den ersten Behandlungswochen ein EKG und ein EEG abgeleitet wird, um sehr seltene individuelle Risikofaktoren auszuschließen.
Bei medikamentöser Behandlung sind die Effekte in der Schule, bei der Arbeit, zu Hause und während anderer Aktivitäten zu kontrollieren. Nur Rezepte nach telephonischer Anforderung zu verschicken gilt hier als Kunstfehler.
Überprüfung des Verlaufs hinsichtlich:
Aufgrund der kurzen Halbwertszeit (Methylphenidat 3.3 h) ist eine mehrfach tägliche Tabletteneinnahme (5 bis max. 30 mg Einzeldosis) erforderlich. Methylphenidat und Dextroamphetamin liegen zwischenzeitlich auch in retardierter Form vor, wobei jedoch große individuelle Unterschiede in der Wirksamkeit bzw. Wirkdauer bestehen können. Pemolin hat eine erheblich längere Wirkdauer (7-9 h), jedoch besteht in seltenen Fällen (etwa 2%) das Risiko eines akuten Leber-Versagens.Die Wirkeffekte der Stimulanzientherapie müssen dabei individuell ermittelt werden und korrelieren nicht mit Plasmakonzentration, Alter oder Ausmaß der Hyperaktivität bzw. neuropsychologischen Defiziten. Nebenwirkungen treten dosisabhängig mit vorübergehender Appetitminderung, Kopf- oder Bauchschmerzen, Mundtrockenheit, Schlafstörungen oder seltener kardiovaskulären Symptomen auf. Ticstörungen oder Epilepsien stellen entgegen früheren Annahmen keine Kontraindikation für eine Stimulanzientherapie mehr dar. Eine Abhängigkeitsentwicklung besteht bei korrekter Indikationsstellung nicht. Als Mittel der zweiten Wahl können trizyklische Antidepressiva (Imipramin bzw. Desipramin Körpergewicht) eingesetzt werden. Diese bieten den Vorteil einer längeren Wirkdauer, weisen jedoch inkonsistente Langzeiteffekte und das erhebliche Risiko von Herzrhythmusstörungen und anticholinergen Neben-Wirkungen im Kindesalter auf. Clonidin zeigt ebenfalls eine geringere therapeutische Wirksamkeit bei AD/HS ist jedoch insbesondere aufgrund potentieller tödlicher Interaktionen mit anderen Pharmaka (vor allem Methylphenidat) nicht für die Therapie im Kindesalter zu empfehlen
Die Pharmakotherapie sollte im Sinne eines multimodalen Therapieprogramms mit psychosozialen und verhaltensmodifizierenden Therapien kombiniert werden. Häufig sind Langzeitbehandlungen erforderlich. In Studien profitieren die betroffenen Kinder auch nach 5 Jahren noch von der Medikation. Allerdings bleiben auch die Nebenwirkungen (z.B. Appetitmangel und minimal geringere Körpergröße) erhalten.
|
Stimulantien Umgang mit Nebenwirkungen |
|
| Appetitminderung |
|
| Amphetamine |
|
|
Bauchweh Schlaflosigkeit |
|
| Traurigkeit |
|
|
Verstärkte
Symptome bei abklingender Wirkung (Reboundeffekt)
|
|
| Reizbarkeit |
|
| Angst |
|
| Halluzinationen |
|
| Herzkreislaufnebenwirkungen |
|
| Abhängigkeitsrisiko |
|
| anhaltende und schmerzhafte Erektionen (Priapismus) |
|
| Schwangerschaft |
|
Bezüglich der medikamentösen Behandlung von Aggressivität bei Kindern und Jugendlichen zeigt eine neue Studie gute Erfolge mit Lithiumpräparaten.Lithium wird seit Jahrzehnten erfolgreich in der Behandlung von manisch- depressiven Krankheiten eingesetzt. In verzweifelten Fällen sind die Nebenwirkungen, des oft auch ohne solche vertragenen Medikamentes, für den Betroffenen Jugendlichen sicher weniger beeinträchtigend, als die oft nicht wieder gut zu machenden Nebenwirkungen seines Verhaltens. Selbstverständlich gilt auch hier, Medikamente alleine sind nicht die Lösung. Sie dürfen auch nur in Kombination mit anderen Maßnahmen eingesetzt werden. Dann sind sie aber oft gerade für die Betroffenen eine große Hilfe. Bei der Diskussion um die Nebenwirkungen der Medikamente wird leider oft vergessen, die Nebenwirkungen der Störung für das Kind oder den Jugendlichen zu berücksichtigen.
Nicht erfolgreich waren Behandlungsversuche mit:
Biofeedback , diversen Diäten, Allergiebehandlungen, Behandlungen die auf die Behebung von Schäden im Innenohr abzielen, chiropraktische Behandlungen, Behandlungen von angeblichen Pilzinfektionen des Darmes, Augentraining, spezielle Brillen usw.. Auch wenn Sie von Einzelerfolgen dieser Methoden hören, dahinter steht nur ein Geschäft, keine reelle Chance auf eine Besserung, manchmal dennoch erhebliche Nachteile nicht nur für den Geldbeutel.
Zitat zur Erblichkeit (Stand der derzeitigen
Forschung): aus Report
of the National Institute of Mental Health's Genetics Workgroup
National Institute of Mental Health
Familien Studien: ADHD zeigt eine familiäre Häufung. In Familien von Betroffenen finden sich 17- 41% Betroffene, in Kontrollfamilien sind es 0-8%. ADHD bei den Eltern von Betroffenen wird in älteren Studien mit 15-44% für die Väter und 4-38% für die Mütter angegeben. Große Fallkontrollstudien fanden in 16-25% der Verwandten ersten Grades die Störung, in den Kontrollgruppen bei 3-5%.
Zwillingsstudien: Zwillingsstudien fanden eine Konkordanz von 51-79% bei eineiigen Zwillingen und von 33% bei zweieiigen Zwillinge. Es wird davon ausgegangen, dass die Störung zu 64-88% der Auftretensrate erblich ist. Bei gleichzeitig vorhandener Dyslexie scheint die Erblichkeit sogar 98% zu sein.
Adoptionsstudien: Das Risiko (bei Fallkontrollstudien im Vergleich mit nicht betroffenen Adoptivkindern) ist abhängig davon ob die biologischen Eltern von der Störung betroffen waren.
Art der Erblichkeit: Insgesamt handelt es sich um eine Multifaktoriell bedingte Erkrankung, für die nicht ein einzelnes Gen verantwortlich ist. Es gibt aber Studien, die einen inkomplett penetranten autosomal dominant Erbgang ausgehend von einem einzelnen majoren Genort sahen. Die niedrigsten Schätzungen gehen dabei davon aus, dass die Penetranz des Genes bei Jungen 46% und bei Mädchen 31% beträgt.
Molekulargenetische Studien: Eine bevölkerungsbasierte Assoziationsstudie fand Hinweise, dass ein Allel am Dopamin D2 Rezeptorgen am 11q verantwortlich ist, diese Ergebnis konnte aber von anderen Studien nicht bestätigt werden. Andere Studien fanden Veränderungen am Dopamintransporter- Locus am 5p oder ein Allele am Dopamin D4 Rezeptor am11p. Auch eine 3 Mb Deletion am Chromosom 22q wurde berichtet.
Strukturelle Hirnstudien zeigten geringe Verminderungen der
gesamten Hirnsubstanz im Vergleich zu Kontrollen, und im besonderen eine
Hirnvolumenminderung im rechten Frontallappen und im Nukleus caudatus.
Eine aktuelle Studie mit hochauflösendem Kernspin zeigte Veränderungen in
der Frontalhirnrinde mit hauptsächlich einer Verminderung der unteren
Anteile der dorsalen präfrontalen Rinde beidseits. Die Hirnsubstanz war
auch in der vorderen Temporalrinde beidseits vermindert. Die graue
Substanz war in großen Teilen der hinteren temporalen und unteren
parietalen Rinde vermehrt. Diese präfrontalen, temporalen und
parietalen Rindeanteile sind Teil einer heteromodalen Assoziationsrinde,
die durch das gesamte zentrale Nervensystem verteilt ist und der
Aufmerksamkeit sowie der Verhaltenssteuerung und vor allem der
Impulskontrolle dient.
Bei
ADHS
kommt
es
zu
einer
abnormen
Verarbeitung
von
Wahrnehmungen
in
den
Aufmerksamkeitsnetzwerken
des
Gehirns,
dabei
ist
vor
allem
eine
spezifische
Dysfunktion
in
striatalen
Regelkreisen
vorhanden.
Möglicherweise
normalisiert
Methylphenidat
die
Aktivität
dieser
Netzwerke.
Stimulantien führen später zu Drogenabhängigkeit.
Stimulantien helfen Betroffenen sich zu konzentrieren und in Schule und Beruf erfolgreich zu sein. Das Vermeiden der sonst drohenden negativen Erfahrungen stärkt das Selbstwertgefühl und verhindert so spätere psychische Erkrankungen und auch Drogenabhängigkeit.
Dass jemand auf Stimulantien gut anspricht, bedeutet oder beweißt, dass er AD(H)S hat.
Stimulantien erhöhen bei vielen Menschen die Konzentrationsfähigkeit und Wachheit, unabhängig davon ob sie ADD haben oder nicht. Die Besserung ist nur bei den Erkrankten eindeutiger.
Die Medikamente sollten abgesetzt werden wenn eine Kind in die Pubertät kommt.
Nein! 80 % von denen die als Kinder Medikamente brauchen, brauchen sie auch als Teenagers. 50% brauchen sie noch als Erwachsene.
© "Team der Borderlinezone" 2007