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Geschichte 2 

Einleitung 

Solange das soziale Umfeld noch funktioniert, der Kranke seiner Arbeit nachgehen kann, seinen festen Freundeskreis hat , die Familie intakt und der Ehepartner ziemlich stabil ist, wird die Erkrankung vom Umfeld auch nicht wahrgenommen, "er trinkt nun mal gerne einen, ist eigentlich ein toller Typ".

Die Öffentlichkeit erkennt einen Alkoholiker meist erst dann, wenn die Ehe zerrüttet ist, der Arbeitsplatz verloren ist, wirtschaftliche Not eintritt, die Familie zum Sozialfall wird. Nach der geläufigen Volksmeinung sitzt der "Alki" mit seinesgleichen im Stadtpark, versehen mit einer 2-Liter Flasche Rotwein, verdreckt, die Passanten anpöbelnd und anbettelnd. Das dieser Kreis der Alkoholiker der kleinste Kreis ist, ist der Öffentlichkeit natürlich nicht bekannt, sich zu informieren kostet Zeit und ist unbequem, eine entsprechende Lobby gibt es nicht, die Aufklärung hat sich zwar in den letzten Jahren verbessert, leider meist nur im Stillen, Hilfe wird zwar angeboten, meist durch karitative Institutionen und durch den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer. Nicht zuletzt sollen die wirklich wichtigen Selbsthilfegruppen genannt sein.

Für den Staat läßt sich am Alkohol durch die wahnsinnig hohe Brannweinsteuer trefflich verdienen!!!!!

Im Januar 1949 wurde ich in einem "gutbürgerlichen" Hause geboren, mein Vater Angestellter im öffentlichen Dienst, meine Mutter auch berufstätig, die Nachkriegszeit machte das "Doppelverdienen " zur Pflicht, es mußte aufgebaut, es mußte angeschafft werden. Persönlich wurde ich in meinem Elternhaus nie übermäßig mit Alkohol konfrontiert, 2 - 3 Feiern im Jahr, die dann auch sehr ausgiebig mit Alkohol, bis in die frühen Morgenstunden, ausgelassen, ja immer recht lustig, hatte ich als Kind den Eindruck. Ansonsten wurde bei uns nie Alkohol getrunken, mein Vater ging so gut wie nie in eine Gaststätte, Mutter ebenfalls nicht. Der übermäßige Verzehr wurde mir von meinen Eltern also wahrlich nicht vorgelebt.

Geprägt wurde ich dann schon ein wenig ungünstig durch die Abwesenheit meiner Mutter, als sogenanntes "Schlüsselkind" meistens alleine, die damalige Grundschule noch kein Problem, mit guten Zensuren auch geschafft. Die Aufnahme zum Gymnasium schon fast mit "Bravour" geschafft. Dann doch irgendwann der "Durchhänger", falscher Umgang, keine Hausarbeitenkontrolle, also das Abitur flugs schon in der Sexta gemacht. Anschließend zurück zur Grundschule, meine eigenen Probleme, natürlich in meiner "Einsamkeit" selbst von mir geschaffen, für einen 15jährigen schon gravierend, heutzutage lächerlich, aber doch immer mit einem schlechten Gewissen herumgelaufen. ALLE Probleme wurden mir von meinen Eltern abgenommen, man konnte ja vieles als "Doppelverdiener" auch mit Geld regeln, allein die Problemlösung selber nie erlernt, in meiner relativ unglücklichen "Einsamkeit" dann die 2-jährige Handelsschule absolviert, anschließend ebenfalls relativ locker eine Banklehre absolviert, mehr auf Anordnung als aus Freude. Als "Krönung" meines beruflichen Werdeganges dann Betriebswirtschaft studiert, den Abschluß geschafft, schlecht und recht, gemäß dem erlernten ökonomischen Prinzip, "mit dem geringsten Aufwand einen bestimmten Erfolg zu erzielen". Während des Studiums habe ich auch meine jetzige Frau kennengelernt, ihr Vater war selbständig in einem kleinen 10-Mann Betrieb, in den ich dann mit eingestiegen bin, da ich als einziger kaufmännisch vorbelastet war. Bis zu diesem Zeitpunkt nie Alkohol getrunken, Kirschsaft vorwiegend zum Gespött meiner Freunde. War damals 20 Jahre jung. Der Geschäftsbetrieb lief immer schlechter, keine Aufträge, kaum Gehälter, die finanziellen Sorgen wurden riesig, Probleme über Probleme, allein die Lösung von Problemen und das Angehen derselben hatte ich nie erlernt. Im Betrieb wurde mangels Arbeit dann auch häufig übermäßig Alkohol getrunken. Gelegentlich ein Fläschen widerwillig mitgetrunken, 1 Flasche Bier zunächst, dann wurden es schon 3-4, mit einem kleinen Schwipps läßt`s sich schon besser leben. "Wer Sorgen hat, hat auch Likör". Das nunmehr tägliche, relativ "geringe Quantum" Alkohol erleichterte mir das tägliche Leben mit seinen Problemen, Sorglosigkeit trat ein, die Probleme packen wir dann Morgen an.

Die täglichen Probleme wurden immer größer, mein Aufgabengebiet nunmehr, bei Lieferanten um Stundungen zu bitten, bei Großhändlern günstigere Konditionen herauszuschinden, Aufträge hereinzuholen, obwohl unsere Produkte technisch bereits überholt waren (Gasbrenner für Heizungsanlagen). Kurz, Bitt- und Bettelgänge, die mich mit 20 Jahren überforderten und andererseits auch nie befriedigten. So ging es ständig mit dem Betrieb abwärts, meine auch ständigen Ermahnungen, den Betrieb aufzulösen blieben unerhört, die Betriebsschulden häuften sich, in Relation mit dem gemeinsam verzehrten Alkohol. Bei mir waren es immer noch 3-4 Flaschen Bier.

Im April 1974 meine Frau Sylvia geheiratet, gemütliche und preisgünstige Wohnung; trotz des ständigen Geldmangels eine sehr glückliche Zeit. Unsere zahlreichen Freunde kamen häufig zu Besuch, jetzt wurden gemeinsam auch härtere Sachen getrunken. Auch meine Eltern, zu denen ich damals und heute ein sehr gutes Verhältnis habe, hatten für den "armen Jungen" immer eine Flasche guten Weinbrand parat, meist waren es drei große Gläser, gehörten ja auch zum Kaffee, der Junge ist ja ein "Genießer" Auch finanziell wurde ich von meinen Eltern stets im guten Glauben unterstützt, das erste was "erworben" wurde, war natürlich eine gute Flasche.

Im Jahre 1976 wurde unser Sohn Björn geboren, das wenige Geld, daß der Betrieb Abwarf, reichte nun vorne und hinten nicht mehr. Gar nicht so schweren Herzens trennte ich mich nun vom Schwiegervater. Mein neuer Beruf, Pharmareferent bei einem pharmazeutischen Unternehmen in Freiburg. Die Ausbildung wieder ganz gut hingekriegt, allein im Kreise von 8 Kollegen Abends der gesellschaftliche Umtrunk, tagsüber vollkommen trocken, auch ohne die kleinsten Probleme. Das Gehalt sehr gut, ein toller Firmenwagen, vom FIAT 500 auf einen Opel Rekord mit 2 Litern Hubraum und allem Schnick-Schnack ausgerüstet, Tagesspesen bis zu DM 28,- am Tag, für 1976 eine Menge Geld.

Meine Aufgabe war es, den niedergelassenen Ärzten die besonderen Vorteile unserer Medikamente vorzustellen.

Ein Direktverkauf war nicht möglich und nötig, rezeptieren sollten die Ärzte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten auch ganz gute Erfolge, mit meinem Umsatz, der von den Großhändlern für jeden Bezirk erfaßt wurde, befand ich mich immer im oberen Drittel.

Jeder wird verstehen, wie stolz ich nunmehr darauf war, zur "Elite" des Außendienstes zu gehören, finanziell relativ gut ausgestattet, ein tolles Auto, das Leben war wieder lebenswert, der Sohn gedieh auch prächtig.

Nach getaner Arbeit immer noch die gleich Menge Bier, dazu 2-3 Gläschen Weinbrand, bei Magenschmerzen, die sich "selbstverständlich" häuften, noch zusätzlich 3-4 Boonekamp zunächst. Alleine auf mich gestellt, ohne Kollegen, ohne Aufpasser, auch morgens schon mal später aufgestanden, mit leichtem Brummschädel natürlich. Die erforderlichen Arztbesuche, 9 Besuche täglich, dann später nachgeholt. Da die Umsatzzahlen immer noch stimmten, war ich der Meinung, diese Besuche ein wenig zu reduzieren, ab Spätmittags stellten sich ja auch die "Magenschmerzen " und auch ein gewisser Durst wieder ein. Nun kam schon ab und zu vom zuständigen

Gebietsleiter die Aufforderung, die erforderliche Besuchszahl doch wieder zu erfüllen. Zeitweilig ging dieses dann zwangsläufig dann auch wieder. Die Möglichkeit, von der Arzthelferin das erforderliche Formular für den erfolgten Arztbesuch abzustempeln und unter schreiben zu lassen, gelang mir dann auch, ohne den Arzt nur gesehen zu haben. In einigen Praxen gleich 2-3 Formulare unterschreiben lassen, für die nächsten Tage ja prima zu verwenden. Der Lohn, ein früher Heimweg, mit Frau und Kind ein wenig spazieren gegangen, früh zu Hause dann schnell was gegen die Magenschmerzen getan. Die Flasche Weinbrand reichte mittlerweile nur noch für max. 2 Tage, schon leichte Unruhe, wenn 2/3 geleert waren. Die Monatsrechnung der Tankstelle wurde immer "ausgefallener", Gesamtsumme DM 700,--, die Kosten fürs Benzin lagen bei ca. DM 150,--. Heimlich bezahlt, mußte meine Frau, wir waren immer noch glücklich, ja nicht unbedingt wissen. Zwischendurch auf dem Heimweg regelmäßig als "braver Sohn" meine Eltern besucht, schon mal ein wenig vorgetrunken, es wurde mir ja auch immer schön brav angeboten. Natürlich auf dem Heimweg und auch sonst immer Pfefferminzebonbons in der Tasche, ein wenig Mundspray, wenn dann doch mal die Nase gerümpft wurde, hatte ich meinen Hustensaft gerade zu mir genommen. Selbstverständlich wußte meine Frau schon in etwa von meinem Problem.

Dieses ist der Punkt, der dem alkoholkranken Menschen das Trinken erleichtert, ja geradezu ermöglicht. Gerade die engsten Familienangehörigen und Freunde unterstützen durch ihr Schweigen oder gerade durch das Dulden das übermäßige und regelmäßige Trinken. Dieses geschieht nicht wissentlich oder voller Vorsatz, nein, der Angehörige oder engste Freund will einfach nicht wahrhaben, daß gerade der Ehepartner, der Sohn oder der beste Freund ein Alkoholiker ist. Dieses Verhalten geschieht einmal aus Unwissenheit über die Krankheit "Alkoholismus", aus Scham, daß z.B. ausgerechnet der Ehepartner ein sogenannter Alkoholiker ist und nicht zuletzt auch aus einer gewissen, aber sicher verständlichen Bequemlichkeit, denn wenn der Alkoholiker an seinem Trinken gehindert wird, wird auch automatisch das Familienleben schwierig. Der Alkoholiker verliert bei einsetzendem Entzug, sogar wenn die Gefahr besteht, daß der Alkohol möglicherweise nicht für die ganze Nacht ausreicht, völlig die Kontrolle über sich. Das Verschweigen der Alkoholsucht durch die engsten Familienangehörigen, der engsten Freund, der Arbeitskollegen etc., auch CO-Alkoholismus, genannt, ist eine der schlimmsten Verhalten um einen Alkoholkranken Menschen wieder "trocken " zu kriegen. Diese geschieht selbstverständlich aus einer totalen Unkenntnis heraus.

Der soziale Abstieg, die totale Abhängigkeit  

Nach dem geschilderten Einstieg in die "Sucht" Alkohol, begann die Abwährtsfahrt nun rasend schnell. Unfähig, meiner beruflichen Tätigkeit auch nur halbwegs regelmäßig nachzugehen, reduzierte ich meinen täglichen Arbeitsablauf auf 3-4 Std. täglich, der unumgängliche Zwang nach dem nunmehr erforderlichen Quantum Alkohol lies mir nun schon fast alles unwesentlich erscheinen, der Drang, meinen "Pegel" wieder aufzufüllen, machte ALLES, meinen Beruf, meine eigene Familie, meine Freunde und einfach alles, was mir früher wichtig und erstrebenswert war, zur absoluten Nebensächlichkeit werden.

Zu diesem Zeitpunkt machte meine Frau als Krankenschwester Nachtwache in einem Krankenhaus (auch heute übrigens noch im gleichen Hause). Ich konnte es natürlich kaum erwarten, daß sie zur Arbeit fuhr, dann sofort die Flasche Weinbrand auf den Tisch und fleißig dran!!! Natürlich vorher schon 2-3 Packungen Maykamp (43%) getrunken, also 6-9 Fläschchen, selbstverständlich nur, weil ich Magenprobleme hatte, meine Frau hatte dafür noch ein gewisses Verständnis. Die Flasche Weinbrand wurde natürlich gänzlich bis zur Neige ausgetrunken, fast nur noch 1/3 `drin, da kam schon eine gewisse Nervosität auf!!!

Bier und Wein für die Freunde und Gäste war natürlich auch immer im Hause, das mußte dann eben herhalten, wenn die Flasche Weinbrand leer war!!!

Morgens 5:30, meine Frau kommt ja in einer Stunde, schnell ins Bett, vorher gelüftet, etwaig noch vorhandenen Alkohol bzw. die leeren Flaschen irgendwo versteckt, als Alkoholiker wird man schon "clever". Meine Frau natürlich total übermüdet sofort zum Schlafen ins Bett, der liebe Ehemann wird gleich wohl schon aufstehen. Tat er auch, so gegen 9:00, ein halbes trockenes Brötchen gegessen, einen "schlappen" Kaffe getrunken, nach dem Duschen ins Auto, zur Arbeit, Ärzte aufsuchen!!

Vorher natürlich eingekauft, Pfefferminz, 1 Flasche Weinbrand, 2-3 Packg. Maykamp, 2 Dosen Cola. Dann ohne was getrunken zu haben, mit viel Deo und Pfefferminz 4-5 Ärzte auf die Schnelle besucht, gegen 12:00 bis 13:00 total durchgeschwitzt (Entzugserscheinungen) den nächsten Parkplatz aufgesucht. Nun das Wichtigste, erst einmal wieder ordentlich "auftanken"!! Zunächst die Maykamp, also 6-9 Fläschchen, eine Dose Cola nach getrunken, die "Richtung" stimmte also wieder. Zum besseren Verständnis, natürlich alles nicht zum Genuß getrunken, sogar mit reichlich Widerwillen, aber der Körper verlangte es einfach. Dann noch ein paar Schlückchen Weinbrand, die Welt war wieder in Ordnung, was laufen da draußen doch nur für Spießer herum!!!

Gegen ca. 15:00 nach Hause gefahren, war mal wieder ein anstrengender Arbeitstag, das schlägt schon auf den Magen. Meine Frau also gebeten, mir ein paar Fläschen Maykamp mitzubringen, machte sie natürlich auch. Der ALTE kann ja auch ungemütlich werden. Eine Flasche Weinbrand hatte ich natürlich vorsorglich irgendwo deponiert, sobald meine Frau zum Einkaufen das Haus verließ, natürlich erst einmal ein paar Schlucke nachgetrunken, der Alkoholpegel ließ schon ein wenig nach.

Zwangsläufig auch Unregelmäßigkeiten bei der Arbeit, der erforderliche und verlangte Besuch einer bestimmten Anzahl von Ärzten konnte natürlich von mir nicht mehr eingehalten werden, Anfragen erfolgten warum und wieso, natürlich gesundheitliche Probleme oder Familienprobleme vorgeschoben.

Mein Glück war über viele Jahre, das ein bestimmter Stamm von Ärzten mir immer treu geblieben war, der Umsatz stimmte immer noch, bewegte mich noch immer im oberen Drittel der Umsatzstatistik. Durch meine vorgeschobenen Gründe zunächst keine weiteren Schwierigkeiten von seitens des Arbeitgebers, der gesundheitliche Zustand bei mir allerdings wurde allerdings immer schlechter, total aufgeschwemmtes Gesicht, von 80 Kg auf 104 Kg gestiegen, Atemnot, Depressionen wegen des dauernden schlechten Gewissen, finanzielle und sehr große Nöte, der Alkohol reichte alleine nicht mehr.

Vom Arzt bzw. von Kollegen im pharmazeutischen Außendienst Psychopharmaka Besorgt, zunächst so mit 10mg eingeschlichen, später, im Endstadium bis zu 70-80mg täglich. Diese Menge zusammen mit dem Alkohol führte dann auch schnell zu einem rasanten Verfall der gesamten Persönlichkeit. Immer gereizt, gelegentlich meine Frau geschlagen, wenn kein Geld im Hause mehr war, meinen 6-jährigen Sohn mit einem Zettel zum Kiosk geschickt, das Übliche, Maykamp, Weinbrand...bezahle das Morgen.

4mal verließ mich meine Frau mit meinen Kindern, machte mir natürlich zunächst nichts aus, konnte ja jetzt ungeniert trinken, eigentlich ein prima leben. Das notwendige Geld von meinen Eltern besorgt, der liebe Sohn darf ja nicht hungern, braucht ja auch Geld für das Benzin, um arbeiten zu können. Spätestens nach einer Woche kam meine Frau auch wieder zurück, versprach natürlich auch Besserung, schließlich war ich ja kein Alkoholiker, ICH konnte ja jederzeit aufhören. Nicht heute, aber Morgen oder nächste Woche mal sehen.

Den finanziellen Verpflichtungen konnten wir natürlich nicht mehr nachkommen. Unsere kleine, aber gemütliche Eigentumswohnung mußte verkauft werden, eine Menge Schulden blieben übrig. Wie schon erwähnt, wer Sorgen hat, hat auch Likör, fleißig weitergetrunken bis zum Exzeß, dazu die entsprechende Menge Psychopharmaka( Benzodiazepame=Valium) 70-80mg dazu.

Schließlich auch die Kündigung vom Arbeitgeber, Arbeitslosengeld vom Arbeitsamt bezogen, die Sorgen wurden immer größer, der Alkoholkonsum stieg natürlich ebenfalls, unsere Schulden interessierten mich natürlich einen Deibel, Hauptsache das Geld für Alkohol war da.

Zwischenzeitlich auch tiefste Depressionen, wenn meine Frau zur Arbeit war, wie immer ein Wasserglas voll Weinbrand da stehen gehabt, manchmal aber 2-3 Stunden davor gesessen, weinend manchmal, später häufiger, aber wenn das erste Glas getrunken war, dann war die Welt wieder in Ordnung. Bei mir das übliche Alkoholikerverhalten: ICH ein Alkoholiker, ICH nicht, morgen höre ich auf, Kinderspiel, oder vielleicht nächste Woche!! Mal sehen!!!

Jetzt auch Vorhaltungen von meiner Frau, die meinen physischen und psychischen Verfall nicht mehr so hinnahm. Aber die Folge, wieder einmal der gleiche Teufelskreis, Trinken - Vorwürfe - Toberei von mir - schlechtes Gewissen- = TRINKEN BIS ZUM VERGESSEN!!!

Das Schiff begann zu sinken.................

Bitterer Trunk  

Nach der Kündigung zunächst einmal abwartend verhalten, Zeitungen mit Annoncen für die pharmazeutische Industrie am Wochenende durchgeblättert, halbherzig beworben, wenn, dann meinen Lebenslauf ein wenig positiv verändert. Auf Blanko-Briefbögen meines Schwiegervaters die entstandene "Arbeitslücke" selbst retuschiert, es kamen natürlich häufiger Absagen, einige Vorstellungsgespräche kamen zustande, meist erfolglos, mein Äußeres war natürlich auch schon ein wenig "desolat".

Sehr erschwerend für mich kam auch meine totale Fahrunfähigkeit auf der Autobahn hinzu, sobald ich ich die Autobahn befuhr, eine totale Phobie, Platzangst, rasendes Herklopfen, extrem starke Ängste mit großem Schwindelgefühl.

Aha, eine Raststelle, erst einmal angefahren, ein wenig an der frischen Luft einige Minuten spazierengegangen. Jetzt ging es wieder, ich hatte mich beruhigt! Also weiter!!!! Wieder auf der Autobahn, das gleiche Spiel von vorne, wieder eine Raststelle angefahren, wieder weitergefahren, das alles immer 4-5 Mal.

Dann war ich es leid, erst einmal eine Flasche Weinbrand und eine Dose Cola, selbstverständlich auch Pfefferminz besorgt, manchmal auch mein Magenmittel Maykamp, erstmal ordentlich einen "gekippt"!!!!

So, jetzt aber ab, der Vorstellungstermin rückte ja auch näher, mal in Frankfurt, mal in Hamburg, mal hier, mal dort. Mit der "entsprechenden Unterlage" natürlich auch kein Problem für mich, nun ohne jegliche Angst mit 160-170Km/h über die Autobahn. Mann, geht`s mir gut, denen liefere ich gleich ein Vorstellungsgespräch, die werden nur staunen, DIE Stelle ist mir sicher. Unterwegs natürlich nachgekippt, nehme gleich Pfefferminz und ordentlich Rasierwasser, wird schon keiner merken.

Dann, nach ca. 4 Monaten hat es wirklich geklappt, entweder war ich trotz Fahne zu gut, oder die wollten nichts merken. Na, egal, die Einarbeitung in Köln, 6 Wochen von zu Hause weg, feine Sache, Köln ist ja auch nicht so ganz ohne. Die tägliche Ausbildung, ich kannte das meiste ja schon, war für mich relativ leicht, Feierabend um 16:00, mit dem "richtigen" Kollegen um 16:10 gegenüber in der Kneipe. Hatte auch übrigens DM 1.500,-- Spesenvorschuß bekommen. Mußte zu Hause ja auch nicht unbedingt jeder wissen, das notwendige Trinken, war ja jetzt mit dem Kollegen fast schon eine gesellschaftliche "Verpflichtung" finanziell war ich ja auch gesichert, das piekfeine Hotel incl. Verpflegung zahlte der Arbeitgeber.

Das Hotel war übrigens ein Stammlokal von "Ben Wisch" Wieschnewski von der SPD, die Umgebung war für mich natürlich jetzt auch standesgemäß, Alkohol Familien-Kontrolle Null (Was wollten die eigentlich, ich schaffe das doch alles mit Links, und dann diese dummen Sprüche, ALKOHOLIKER oder alkoholge-fährdet???? Schwachsinn!!!!!

Nach dem abendlichen Umtrunk, Essen war unwichtig, wirft den "Pegel ja auch wieder zurück", heim ins Hotel. Dort für mich auf den Erfolg des Tages noch etwas nachgetrunken, dann irgendwann eingeschlafen. Die Brandlöcher auf dem Teppichboden häuften sich, irgendwie kaschiert, der Oberkellner, sehr nett übrigens, war für einen 20er auch immer behilflich durch Anweisungen an die Putzkolonne.

Nach Beendigung der Ausbildung dann Einarbeitung in meinem zukünftigen Einsatzgebiet in der näheren und weiteren Umgebung meiner Heimatstadt. Zunächst ging alles recht gut, hatte tagsüber meinen Alkoholkonsum stark gedrosselt, es geht also, ich habe ja wirklich keine Probleme.

Nach 14 Tagen dann eine Abmahnung wegen des "schlechten" Zustandes meines Hotelzimmers, na ja, werden die schon irgendwann vergessen haben!

Dann gemeinsame Besuche meiner Ärzte gemeinsam mit meinem Vorgesetzen, ein ruhiger Mensch, beobachtete mich bei meinen Gesprächen aber recht genau. Spätnachmittag dann gemeinsames Gespräch über die Qualität meiner Gespräche, alles eigentlich in Ordnung, NUR hatte ICH vergessen, daß zwischzeitlich andere Medikamente vorgestellt werden sollten.

Die zwangsläufige Folge: fristlose Kündigung innerhalb der Probezeit, eigentlich mußte es ja so kommen , war für Außenstehende ja klar, nur natürlich für mich nicht.

Also wieder das gleiche Spiel von vorne , zunächst zu Hause herumgelungert, am Wochenende FAZ, WELT und andere Zeitungen durchgeblätter, beworben, monatelang vergebens , zwischendurch ergebnislose (wenige)

Vorstellungsgespräche. Wie früher auch immer zu Haue kräftig getrunken, Geld war zwar dafür nicht da, aber es war doch so wichtig. Nun ständige Streitereien, immer provoziert von mir, von meinen Freunden hatte ich mich schon lange distanziert, nur einige wenige hatten noch Kontakt zu uns. Das familiäre Zusammenleben stand vor der absoluten Zereißprobe, meine Frau flüchtete tagsüber meist mit den Kindern zu ihren Eltern, die wenigen Freunde sprachen mich auch nie auf meine Problematik an. Eben das übliche Verhalten von Menschen die hilflos und ohne Kenntnis der wirklichen Alkoholproblematik den alkoholkranken Menschen eigentlich im Trinken SO unbewußt unterstützten, sogenannte CO-Alkoholiker also, schuldlos zwar, aber auch nicht hilfreich.

Allerdings doch eine Stütze für meine Frau, die mich (WARUM eigentlich?), immer noch liebte!!!!!

Ein großes Problem waren dann eigentlich auch die "Feten", zu denen wir eingeladen wurden. Das Modegetränk, Apfelkorn, lächerliche 20 % Vol., jede halbe Stunde einer, ist doch nichts für einen gestandenen Mann. Also heimlich in die Küche der Gastgeber, Kühlschrank auf und erstmal einen richtig ordentlichen Schluck genommen!!

Zu Hause mit dem Gerichtsvollzieher mittlerweile auf Du und Du, alles was nur irgendwie einen Wert hatte, gepfändet, macht ja nichts, `nen Fünfziger für Alkohol bekam ich schon zusammen. In der aller größten Not Schmuck verkauft oder ins Pfandhaus gebracht, natürlich incl. der Eheringe! Was soll`s denn auch, man kann sich auch so lieben!!!

Dann nach einem Jahr doch wieder einen Job in der Pharmazie gefunden. Das gleiche Spiel wie vorher, die Dauer etwas länger, ganze 9 Monate. Die Phase der Enttäuschung bei den Familienangehörigen natürlich um so heftiger, der übliche Kreislauf Vorwürfe - Enttäuschung - Schuldgefühle - TRINKEN war stärker als je zuvor.

Nun auf Grund der enormen Schulden meine Eltern ins Vertrauen gezogen, bei der Bank mußte getilgt werden, hier und da Schulden, das nicht so üppige Arbeitslosengeld wurde von meinem Vater verwaltet, übrig blieb für die Familie für eine Woche DM 180,--, davon mußten dann auch noch 2 Kinder unterhalten und der Alkohol bezahlt werden.

Nun Gelegenheitsjobs angenommen, für Bertelsmann die Lexikothek verkauft, der Firmenwagen mußte bezahlt werden, unterm Strich natürlich ein Minusgeschäft.

Der zweite Job: Für einen Imbiß-Belieferer für einen Stundenlohn von DM 7,--. Von 4:00 bis 8:00 Paletten und die LKW`s beladen, nach einem halben Jahr Angst bekommen, daß das Arbeitsamt mir auf die Schliche kommt, die recherchierten schon ganz schön.

Der dritte Job: Handlanger am Bau, Stundenlohn nun DM 20,-- , jeden Morgen um 6:00 ins Ruhrgebiet, Schaufel in die Hand, bei jedem Wetter und dann man los. Am zweiten Tag beide Hände total aufgeplatzt, reichlich Blessuren, aber ich hielt durch. Auch der Lohn wurde wöchentlich zunächst pünktlich bezahlt, nach 2 Monaten konnte ich mit meiner Familie endlich mal wieder eine 1-wöchige Busreise nach Spanien bezahlen. Dieses war nun im Nachhinein einer meiner schönsten Urlaube überhaupt, trotz der Trinkerei, die ich in Spanien sogar stark reduzieren konnte, eine unvergeßlich schöne Woche.

Nach meiner Rückkunft weiterhin am Bau, der Lohn kam nun nicht mehr so regelmäßig, blieb dann sogar für

Wochen aus. Übliche Ausreden, noch zwei Keller fertigmachen, dann zahlt der Unternehmer wieder, allein`es kam kein Geld mehr, also alle aufgehört, der Konkurs wurde eröffnet, DM 3.000,-- waren für mich ungefähr verloren.

Was tun........TRINKEN.....................

 

gestohlene Kindheit  

Der wohl mit Sicherheit schwierigste Teil im Leben eines alkoholkranken Menschen ist wohl der Umgang mit seinen Kindern, die er genau so liebt, wie jeder andere Vater, wie jede andere Mutter auch. Allein die "Kraft" des Alkohols" beraubt ihn jeder Möglichkeit, einen vernünftigen, erzieherisch wertvollen und vorlebbaren Weg zu gehen.

Es gibt da Momente, da ist der Alkoholiker von echter, überschwenglicher Liebe zu seinen Kindern, er kümmert sich im Rahmen des ihm möglichen um die sozialen Belange, er überliebt seine Kinder, er macht, wenn dies gerade noch möglich ist, übertriebene Geschenke, er kauft dann auch die übertrieben teuren "Marken"-Turnschuhe für DM 180,-- , Jeans für DM 150,-- etc.! Dies natürlich aus dem (Unter)Bewußtsein heraus, in den gravierenden Dingen eben zu versagen. Er sorgt dafür, daß seine Kinder in die Ferienfreizeit fahren können, er macht Schulden deshalb, stellt Schecks aus, die nicht gedeckt sind, er will halt diese "vorzeigbaren" Dinge für seine Kinder und natürlich auch für seine Umwelt schaffen, er will sein eigentlich ständig gequältes Gewissen beruhigen, er will sich und seiner Umwelt zeigen, daß er ein toller Vater ist.

Gelegentliche, gemeinsame Spaziergänge finden natürlich auch statt, der Alkoholkranke ist dann nach relativ kurzer Zeit völlig fertig, die ersten Entzugssymptome setzen natürlich wieder ein. Was tun?? Im schönen Café am Waldsee ein Bier trinken? Ist natürlich völliger Unsinn, einmal viel zu teuer und die Wirkung von 3-4 Bier liegt bei gleich Null. Also vorgesorgt oder nachgesorgt, 2-3 "Flachmänner" und die unvermeidbaren Maykamp in der Tasche. Auf dem Spielplatz die Jungen ein wenig schaukeln lassen, den Blick verstohlen umherschweifen lassen, niemand zu sehen; also jetzt erst einmal einen ordentlichen Schluck nehmen, dieses 3-4mal wiederholen, das Gequältsein, die Hitzewallungen, der Schweißausbruch, alles läßt so langsam nach.

Toll, wie die Jungen schaukeln, sind ja wirklich ganz Liebe, halten zusammen wie Pech und Schwefel, machen abgesehen von den üblichen "Kleinigkeiten" auch ansonsten keine Schwierigkeiten. Schade, daß meine Frau bei Ihren Eltern ist, aber wir brauchen ja noch ein wenig Geld für das Wochenende! Noch ein wenig spazierengehen, ein wenig reden, wie läuft es in der Schule, was erzählen die Omas so über mich, habt ihr Probleme oder Sorgen? Höre ich eigentlich zu? Ich glaube nicht!

Auch die Kinder haben Durst, also doch zum Café am Waldsee, 2 Cola, ein Bier. Das Bier treibt aber, also erst einmal auf die Toilette und einen ganzen Flachmann geleert! Nun zu den Kindern zurück, schon ein wenig gereizt, der "Vorrat" ist ganz schön geschmolzen!

Nun ins Auto, meine Vaterpflichten für heute ja ganz gut geregelt, hoffentlich ist meine Frau noch nicht zu Hause, ich muß ja noch am Kiosk einkaufen!! Im Auto den Mund voller Pfefferminz, langsam und gerade fahren. Im Fahren kriegt man als Alkoholiker, selbst wenn man 60-70mg Diazepam noch zusätzlich reingeschmissen hat, ganz schön Übung! (Bin übrigens in den langen Jahren nie der Polizei auffällig geworden)

Zu Hause angekommen, vorher am Kiosk nicht eine ½ Flasche Weinbrand und 3 Packungen Maykamp gekauft,

Zigaretten werden mittlerweile gedreht, man muß der Familie zu Liebe ja sparen!

Andere Tage waren weniger harmonisch, Björn schon vor einer halben Stunde gesagt, daß er sein Zimmer aufräumen soll, hat er natürlich nicht getan, wutentbrannt ihm in seinen Allerwertesten getreten, dies war allerdings bei mir die einzige körperliche Aktion, unter der ich heute noch sehr leide.

Schlimm für die betroffenen Kinder sind insbesondere die ständigen Streitereien zwischen mir und meiner Frau, das Unzuverlässige im Vater, das "anders" sein des Vaters, als der anderen Kinder. Wirtschaftliche Not stufen Kinder eigentlich als sehr gering ein, was für Kinder eben extrem beängstigend ist, ist die innerfamiliäre Unruhe, Drohungen, den Partner zu verlassen, "hier ist sowieso alles besch...", das Zerschmeißen von Porzellan aus dem Kinderzimmer nebenan gehört, ein sicherlich fürchterliches Geräusch. Alles zusammen , Prügel, Drohungen, Streitereien, vorübergehendes Verlassen dse Ehepartners, Zerschmeißen von Porzellan, das Aufbrechen von Türen, alles Dinge, die Kinder für ihr Leben prägen!

Ein Glück im Leben eines Alkoholikers ist natürlich, wenn das sonstige, soziale Umfeld der betroffenen Kinder stabil ist. Dies gilt natürlich in erster Linie für die Ehefrau, die fast "übermenschliches" zu leisten hat, da gibt es irgendwann NICHTS, was sie nicht alleine schaffen muß, Kindererziehung, die Kinder ruhig und gelassen zu halten, sich selbst ruhig gebend, obwohl am Rande des Erschöpftseins, das Wirtschaftliche noch IRGENDWIE aufrecht zu halten, auch noch die Fassade nach außen hin einigermaßen aufrecht erscheinend zu lassen.

Wichtig hier auch die Großeltern, die ebenfalls den Kindern die Liebe geben können, die die Kinder vom Vater als alkoholkranker Mensch ja gar nicht mehr bekommen und die sich im Innersten sicherlich auch ein wenig ihres Wertes und ihrer Menschenwürde beraubt fühlten.

Ein weiteres, wichtiges Standbein sind hier "echte Freunde", die sich in meinem Falle sich meinen Kindern und meiner Frau widmeten, allein Gespräche sind hier von großer Bedeutung.

Insgesamt betrachtet, hatte ich das unermeßliche Glück, eine mich immer liebende Frau zu haben, die mich nie wirklich fallen ließ, ich hatte, das Glück dieser großartigen Großeltern und Freunde, ich hatte das Glück, andere, sehr wichtige Menschen kennenzulernen, ich hatte das uneremeßliche Glück, das meine Kinder schadlos diese für sie sehr schlimme Zeit überstanden haben.

Im Gegenteil, ich bin mir sicher, daß diese schlimme Zeit meine Kinder auch sehr positiv geprägt hat. In den späteren, langen Gesprächen wurden viele Dinge, die noch verborgen in meinen Kinder steckten, aufgearbeitet.

Ich bin Gott dankbar und glücklich darüber, eine so starke Familie bekommen zu haben!!!

Das Ende  

Anfang 1987 war es dann soweit, das absolute Nichts, ein Chaos, das nicht zu übertreffen war, finanzieller und physischer Ruin, die gesamte Familie verstört und fast zerstört, mit dem Gerichtsvollzieher mehr denn jeh auf Du und Du, nur noch das allernötigste im Haushalt und von der Hand im Munde lebend! Die Miete jetzt 3 Monate nicht mehr bezahlt, Telephon von der Post abgestellt, für uns allerdings eh ein eher störendes Element, da sich meist nur Gläubiger meldeten. Die Post wurde von mir ungelesen zerrissen, hauptsache der notwendige Alkohol war im Hause.

Das klappte aber immer noch auf irgendeine Art und Weise, die tägliche Ration Diazepam (damals Mono-Demetrin, enthielten auch 20mg Diazepam) wurden mir (heutzutage) unerklärlicherweise in Mengen vom Hausarzt verschrieben..

Auf Grund der Mietrückstände dann die logische Folge, Kündigung durch den Hauseigentümer!!!! Was nun?

Zu meinen Eltern nach 14 Tagen, meine Not, die mir durch "fremde, böse Menschen" zugetan wurde, irgendwie gerechtfertigt. Dabei dann natürlich im Elternhaus wieder erst einmal zum Kaffee eine große Menge Weinbrand verzehrt, vom Guten natürlich, den ich mir schon lange nicht mehr leisten konnte.

Die einzige Möglichkeit, die blieb, ins alte Haus meiner Großmutter zu ziehen. Meine Eltern hatten ja neu gebaut, erst eine Eigentumswohnung, dann ein Reihenhäuschen, schmuck und teuer. Das Haus meiner Großmutter, total verwohnt, in der unteren Etage 6 Zimmer an Einzelpersonen vermietet, bringt mehr ein, die mittlere Etage , 5 Zimmer, war von Türken bewohnt, 9 Personen, in absolut desolatem Zustand. Der einzige Komfort im gesamten Hause, fließend kaltes Wasser und einige, wenige Steckdosen, aber allzuviel technische Geräte hatten wir ja nun eh nicht mehr!

Das Treppenhaus in einem eigentlich 3-Personenhaus war zwischenzeitlich von den eigentlich nicht sonderlich "sozial" einzustufenden Personen, ich gehörte ja eigentlich auch nicht mehr zu diesem Kreise, von fast jeglicher Tapete entfernt worden, insgesamt also ein verheerender Zustand!

Dieses war also nun das Zuhause für mich, meine Frau und meine beiden Kinder, inzwischen 12 und 7 Jahre alt.

Mit einem kleinen Hypothekendarlehn, das mein Vater für uns aufnahm, wurde die mittlere Etage, (den Mietern wurde wegen Eigenbedarf gekündigt), in den notwendigsten Zustand gebracht, das hieß an Komfort ein kleines Badezimmer, eine Therme für Warmwasser, neue Rauhfasertapete in der Wohnung und ein preisgünstiger Bodenbelag. Einige Fliesen in der Küche und einige zusätzliche Steckdosen saßen dann auch noch dran!

In der Wohnung ließe es sich dann soeben aushalten, sobald man den Hausflur und den kleinen, total vergammelten Hof betraf, mußte man eigentlich einsehen, wo man gelandet war!!!

Die Kinder hatten mal wieder eine neue Umgebung, Sebastian mußte auf Grund des Wohnortwechsels mal wieder die Schule wechseln, eine Sache, die auch nicht zur positiven Persönlichkeitsentwicklung beitrug. Björn konnte weiterhin die Realschule besuchen!

Ich hatte mittlerweile wieder einen "Job" bei einer Versicherung angenommen, im Anfang ging es ganz gut, dann rissen irgendwie die Verbindungen ab, mein persönliches Einkommen wurde immer geringer, die Ausgaben für den Alkohol stiegen dagegen an!!!

Mit zwei Kollegen aus dem gleichen Hause dann ein Büro eingerichtet, einer mußte ja immer präsent sein, das machte ich dann ganz gerne, unbeobachtet konnte ich ja so weiterhin trinken und meinem Tablettenkonsum nachkommen.. Der Nachteil, wer nicht rausfährt und Kunden aufsucht, kann auch kein Geld verdienen, der Anteil an der Miete für das Büro mußte jedoch auch von mir zum Drittel bezahlt werden.

Da dieses eine selbständige Tätigkeit war, mußten auch Sozialversicherungen wie auch Beiträge für die Krankenversicherung privat bezahlt werden, die Krankenversicherung schloß ich zu einem Mindestbetrag ab, im Krankheitsfalle hatte ich lediglich ca. DM 60,-- an Krankengeld zu erwarten. Dieses wäre allerdings dann schon wesentlich mehr, als ich im Außendienst durchschnittlich verdient hatte!!!

Diese ganze Geschichte ging dann auch einige Monate gut, auf Grund von Fehltagen und meiner durch den Alkohol- und Tablettenmißbrauch bedingten Eigenschaften wurde mir auch hier gekündigt.

Zwischenzeitlich hatte mich auch meine Frau mit meinen Kindern einige Male wieder verlassen, aus gutem Grunde natürlich, nach spätestens 10 Tagen und immer auf mein Drängen hin, kam sie doch jedesmal zu mir zurück!!

Beim letzten Mal jedoch bestand sie darauf (einige Jahre zu spät natürlich), daß ich mich in ärztliche Behandlung begab. Hier sei kurz bemerkt, daß ich aus mir unerklärlichen Gründen bei meiner Krankenversicherung das Krankentagegeld auf den Höchstsatz von DM 136,-- erhöhte, im Krankheitsfalle 30 X 136,--, ist doch ein erkleckliches Sümmchen.

Kurz und gut: Die ärztliche Behandlung mußte auf Drängen des Hausarztes zweigleisig erfolgen, einmal beim Hausarzt (Internist) und bei einem Neurologen, der auch gleichzeitig Psychiater war.

Mir blieb natürlich unerklärlich, weshalb ich solche Arztbesuche machen mußte, mit Alkohol hatte ICH doch keine Probleme, konnte doch jederzeit damit aufhören, und die paar Pillen, die schmeißt sich doch fast jeder rein!! War also umgeben von lauter Spießern!!

Zu Hause ging natürlich nichts mehr friedlich ab, die Kinder kamen von meiner Seite absolut zu kurz, aufgefangen wurde ALLES von meiner Frau, meinen Eltern und den Schwiegereltern. Auch die dringend erforderliche Liebe und Wärme empfingen meine Kindern auch nur noch von diesem Personenkreis, ich persönlich hatte mittlerweile Berührungsängste mit jedermann, war ein Einsiedler und trank zu Hause eifriger denn je, war froh, wenn meine Frau zur Arbeit fuhr und so ungenierter trinken konnte. An das erforderliche "Kleingeld" kam ich dann letztendlich durch meine Mutter, die sich dadurch auch nicht unerheblich verschuldete.

Nach einigen Wochen bei den Ärzten und bei den erforderlichen Sitzungen bei dem Neurologen/Psychiater, der mir dann totale Uneinsichtigkeit vorwarf (das mir), wurde mir von allen Seiten einfach ein Ultimatum gesetzt:

"Entweder Du tust jetzt wirklich etwas für Dich, oder wir verlassen Dich jetzt endgültig!!!"

Völlig überfordert von dieser Situation erst einmal ordentlich einen gehoben, geschimpft, getobt, Tabletten überreichlich genommen und mir eine kurze Bedenkzeit ausgebeten. Auch diese wurde mir verwehrt. Welche Möglichkeit blieb mir nun, übergroße Existenzängste traten in mir auf, meine Familie, vor allem meine Kinder zu verlieren, dieses übertraf nun meine Vorstellungskraft:

Also am nächsten Tag mit beiden Ärzten gesprochen.

Eine Entziehungskur von 6 Monaten, die ich allerdings heute jedem empfehlen würde, lehnt ich kategorisch ab. Die Alternative der Ärzte war eine psychosomatische Kur von ca. 6 Wochen, Na ja, 6 Wochen, das hältst Du ja ganz gut durch und Kneipen und Alkohol gibt es da mit Sicherheit auch!! Also dieser Alternative zugestimmt, zu Hause war man relativ zufrieden, vielleicht klappt es ja auch so. Der Antrag wurde auch umgehend gestellt, anscheinend auch von der BfA umgehend bearbeitet. Der Bescheid mit meinem Antrittstermin kam schon 3 Wochen später, für mich allerdings nicht mit allzu großer Begeisterung!!!

Das Ziel war ein kleiner Ort im Hessischen namens Zwesten, "Kurbeginn" Ca. 14 Tage vor Ostern!!!

Was nun????

 

Meine Flucht nach ZWESTEN  

Ca. 3 Wochen vor Ostern im Jahre 1987 war es dann soweit, der nunmehr unvermeidliche Termin zum Beginn meiner psychosomatischen Kur in Zwesten stand unmittelbar bevor!

Am Abend vorher noch von meinen Kindern verabschiedet, sie beruhigt mit den Worten Ihr könnt mich ja jederzeit besuchen, sicherlich kann ich ja auch zum Wochenende nach Hause kommen! Dann mit meiner Frau zusammen noch einmal zum Italiener gegangen, die Stimmung natürlich sehr bedrückt, jeder war mit seinen Gedanken woanders! Ein vernünftiger Dialog kam natürlich auch nicht mehr zustande, jeder mit sich selbst beschäftigt, meine Frau tieftraurig und wie die letzten Jahre jetzt noch mehr voller Sorgen, leid tat ich ihr natürlich auch!

Ich mit meinen Gedanken natürlich auch ganz woanders, was kommt auf mich zu, was haben die in Zwesten mit mir vor? Nach einigen Bier und dem unvermeidlichen Grappa (Taschengeld hatte ich natürlich von meinen
Eltern in gewissem Maße bekommen), stieg MEINE Stimmung natürlich schon ein wenig! Zu Hause noch die versteckten letzten Maykamp sowie einiges an Weinbrand zu mir genommen, kann ja alles gar nicht so schlimm werden!!

Am nächsten Tag die Abfahrt. Meine Frau brachte mich mit dem Auto zum Bahnhof, das Abschiednehmen kürzte ich ganz schnell ab, obwohl noch reichlich Zeit war! Meine Frau flehte mich mit Tränen in den Augen, nein, eigentlich weinend an, mich doch bitte bis zur Abfahrt dableiben zu dürfen! Mußte ich natürlich
kategorisch ablehnen, da ich noch dringendes zu erledigen hatte! Meine Frau verließ mich also in der Eingangshalle und fuhr in dem oben erwähnten Zustand nach Hause, 2 kleine Kinder nun alleine versorgend, große finanzielle Sorgen vor den Augen, auch große Sorgen um mich habend!

Also auch hier wieder meiner Frau, diesmal sogar extrem große Schmerzen bereitet! Gerade diese Szene war es, die mir sogar heute noch sehr zu schaffen macht!!!

Aber damals war natürlich viel wichtiger mein Vorhaben, mich für die ca.2 ½ stündige Reise mit Proviant, das heißt natürlich mit einer Flasche und einigen Packungen Maykamp zu versorgen. Wäre natürlich nicht gegangen, wenn meine Frau anwesend gewesen wäre!

Nun im Zug sitzend, Raucherabteil natürlich, ein ziemlich leeres ausgesucht. Nun kam natürlich auch ich mir ziemlich einsam und verlassen vor. Wie immer kurzen Prozeß mit meinen Sorgen gemacht (diesmal auch selber weinend) , auf die Toilette gegangen, 3-4 Maykamp und einen ordentlichen Schluck Weinbrand, der von der
billigen Sorte natürlich, zu mir genommen, es ging schon wieder, mein Selbstmitleid schwand ein wenig dahin! Dazu dann noch die entsprechende Menge Psychopharmaka, hatte mich überreichlich damit eingedeckt, es ging schon wieder.

In Zwesten endlich angekommen, schon ein wenig aufgelockert, kein Taxi, kein Bus, es war ca. 10:00, um 12:00 sollte ich in der Kurklinik sein, also zielstrebig in die Bahnhofsgaststätte gegangen, wenige Bier, viel Korn zu mir genommen, war in ziemlich guter Stimmung mittlerweile. Kneipen gibt es ja nun auch in Zwesten, die paar Wochen sitze ich auf einer Backe ab, Schlecht umgehen können die mit mir ja auch nicht, bin ja ein ganz normaler Mensch, das bißchen Alkohol trinkt fast jeder, kann ich ja auch jederzeit mit aufhören!

In der Kurklinik, ein wenig unsicher angerufen schien mir diesmal selber, auch die Silben nicht mehr so richtig hörgerecht auf die Reihe kriegend, aber per Telephon kann das ja durchaus passieren! Ja, haben schon auf mich gewartet, ein Kleinbus, der Klinik angehörend war schon einige Male am Bahnhof gewesen und hatte einige andere aufgelesen, gleich werde ich dann abgeholt. So, nun fleißig Pfefferminz eingekauft, meine Fahne riecht keiner! Der Bus kam dann ziemlich rasch, ein wenig unsicher auf den Beinen, aber das Gepäck verpackt, und ab ging es ziemlich rasch in meine neue Heimat.

Ein schmuckes Haus, hoch oben auf dem Berge, ein wenig vom Schuß des Dörfchens Zwesten eilte ich dann zur Rezeption. Kurz vorgestellt, ich wurde schon erwartet, zum Mittagessen war es leider zu spät, wurde mir gesagt, ins Zimmer eingewiesen, ich räumte mein Gepäck aus.

Kaum 30 Minuten später klopfte es, Die Ärztin möchte mit Ihnen sprechen Also folgsam an das genannte Zimmer geklopft, durchgeschwitzt, eine kleine Fahne war sicherlich nicht zu verbergen, deshalb auch die Frage Trinken Sie??? Ich verneinte das, hätte aber Hustentropfen zu mir genommen, die riechen schon stark nach
Alkohol.
Nach eingehender Untersuchung, ein anderer Arzt wurde noch herbeigerufen, die Aussage der Ärztin der verdammte Alkohol kränkte mich sehr, war allerdings auch SEHR mit beeinflussend für meinen späteren Weg! Mir so etwas zu unterstellen!!

Zurück in meinem Zimmer, klopfte es erneut, eine Krankenschwester gab mir einige Formulare, so auch die Hausordnung zur Unterschrift und für spezielle Kundschaft das Formular mit dem sinngemäßen Inhalt, "Wer während des Kuraufenthaltes Alkohol oder nicht genehmigte Tabletten zu sich nimmt, wird des Hauses verwiesen und muß u.U. den Kuraufenthalt selber bezahlen!". Ich natürlich tapfer alles unterschrieben!

Abends die Führung durchs Haus, alles sehr gemütlich, Kaffee, großes Schwimmbad, Kegelbahn, Minigolfplatz, eigentlich alles vorhanden!

Zum Abendessen ein wenig verklemmt hingegangen, saßen auch eigentlich nur alte Hasen da, die in der nächsten Woche das Haus verlassen! Eine Geschichte ausgedacht, weswegen ich hier sitze, Vollwertkost wurde mir zugeteilt, nicht übel, wie ich später bemerkte!

Am nächsten Tag die erste Gruppentherapie, eine Gruppe von 10 Personen unterschiedlichen Alters und mit völlig unterschiedlichen Problemen. Der Psychotherapeut, befragte jeden nach seinen Problem, alles nur Wischi-Waschi-Aussagen, ich persönlich gab auch nur erhebliche eheliche Differenzen an, die mich psychisch sehr stark beeinträchtigt hätten! Wir saßen alle in einem Kreis.

Das weitere Programm, für die nächsten Wochen auch vorwiegend nach Wunsch, Schwimmen, Turnen, Töpfern, Malen, Sport , Krankengymnastik etc! Zwang bestand halt nur bei den Gruppen/Einzelgesprächen und bei den
Kursen Töpfern und Malen! Hatte mich dann für das Malen/Zeichnen entschlossen, malte 4 Wochen lang
meine Strichmännchen, alles wurde geduldig hingenommen!

Anstrengend halt nur die therapeutischen Gespräche, der Psychotherapeut kam herein, setzte sich und SCHWIEG vor sich hin! 5 Minuten verstrichen, keiner sagte einen Ton, eine Strapaze von ganz erheblichem Maße. Dies ging solange, bis einer die Nerven verlor und irgend etwas von sich gab! Das Opfer des Tages war
gefunden!!!! Ich, nach einem Tag ohne Alkohol schon unter Entzugserscheinungen, hatte schon Schwierig-
keiten, nicht vom Stuhl zu fallen. Hatte zum Glück ca.150 Tabletten Monodemetrin = jeweils 20mg Diazepam in meinem Kofferradio hinein geschmuggelt! So war der Zustand noch halbwegs erträglich.

Muß hier dazu sagen, daß dieser Kurort nicht für Alkoholkranke eingerichtet war, der Therapeut ließ mich aus diesem Grunde auch eigentlich relativ stark in Ruhe! Bezeichnend war auch, daß mir von den Schwestern gesagt wurde, dass ich JEDERZEIT zur Beruhigung Tropfen haben könnte. Dies hatte ich zunächst auch häufig in Anspruch genommen, brauchte auch etliche Tropfen mehr, die Tropfen hatten einen Alkoholgehalt von 42%!!!!!!!Vorab sei gesagt, daß ich nach relativ kurzer Zeit diese Tropfen nicht mehr benötigte, hatte ja auch noch das Diazepam!

WENDE UND EINSICHT!  

Nach einer Woche wurden mir neue Tischnachbarn zugewiesen. Einer davon, Dietmar aus Hannover, erschien mir auf den ersten Blick sympathisch. Erzählte mir sehr viel von sich, zeigte mir ganz ungestört den Schriftverkehr mit seiner Frau, hatten auch ziemlich viel Streß miteinander! Tranken in den Pausen und
Abends regelmäßig gemeinsam unseren Kaffee, er teilte mir bereits nach 2 Tagen mit, daß er Alkoholkrank sei, seit 7 Jahren aber abstinent lebe und regelmäßig zu den AA-Gruppen (AA-Gruppen = Anonyme Alkoholiker) ging! und er auch eine Gruppe leite!

Der Alkoholentzug bei mir war schon sehr hart, im Bett liegend schien sich die Decke des Zimmers auf mich herabzusenken, Tiere jeglicher Art begleiteten mich die erste Woche. Dank des Diazepams, die tägliche Dosis mußte natürlich täglich erhöht werden, war auch dieses noch (fast) erträglich! Allerdings, nach ca. 1/3 der Zeit,
schwand auch dieser Vorrat, ich geriet in panische Angst! Waren die täglichen Gespräche mit meiner Frau auch bislang sehr unerquicklich, in meiner Verzweiflung machte ich ihr täglich Vorwürfe, Eifersuchtsszenen am
Telephon (Alkoholiker haben naturgemäß kein Selbstbewußtsein mehr) waren eigentlich Inhalt unserer
Gespräche! Verzweifelt bat ich sie, mir Diazepam zuzuschicken oder zumindest bei dem bevorstehenden Besuch mitzubringen. Sylvia, meine Frau, verweigerte das kategorisch!

Nun begann für mich die extrem harte Tour, extreme Angstgefühle, erhöhte Herzfrequenzen, Halluzinationen, Zeitverlust, Artikulationsstörungen und extrem starke Schweißausbrüche waren für einige Zeit meine täglichen Begleiter.
Dietmar begleitete mich sehr stark durch diese Zeit, lange Spaziergänge, lange Gespräche brachten mich
dann über diese Zeit! Geschickt, wie Dietmar vorging! Ich selbst natürlich noch nicht einsichtig, bekam von ihm nur SEINE eigene Lebensgeschichte zu hören. Jeden Tag ein Stückchen mehr geriet ich zu der Einsicht, die Hauptperson SEINER Geschichte bist Du (Ich) ja eigentlich selber! Ich sagte ihm das natürlich, er outete sich auch auf so eine lustige Art, daß es mir gar nicht schwer wurde, mich selbst zu öffnen!

Dieses jeden Tag ein bißchen mehr, bis ich zu der Erkenntnis gelangte, ICH bin selbst Alkohol- und Medikamentenabhängig!!!!!!!!!! Eine Einsicht, die mich durch Dietmars Verständnis und der Art seines Umganges mit mir mich nicht im Geringsten störte, sonder mich eher SEHR erleichterte. Auch der tägliche Verzicht auf meine langjährigen Weggefährten Alkohol und Medikamente fiel mir immer leichter, der Tag war nicht mehr weit, daß ich ohne Schwierigkeiten ohne diese beiden Krücken durchs Leben gehen konnte, es waren
4-5 harte aber notwendige Wochen!!

Der erste (und letzte) Besuch meiner Frau fand den Hausregeln entsprechend nach 4 Wochen statt. Das erste, was meine Frau mir erzählte, war, daß sie in einer Selbsthilfegruppe für Süchtige namens Kreuzbund Anschluß gefunden hatte. Wahrlich, ein unerquicklicher Auftakt, hinter meinem Rücken solche Dinge vorzunehmen, ein Affront, bei anderen Menschen über mich zu reden, mißachtend der Tatsache, daß sie nicht nur für mich, sondern auch für sich selber und unsere Kinder dringendst Hilfe benötigte. Ich war halt trocken, aber nicht einsichtig genug , um dieses so zu sehen. Letztendlich war dies auch ein Entschluß, unsere Ehe zu retten und
zu einem gangbaren Weg zurückzufinden. HEUTE bin ich ihr mehr als dankbar dafür!

Die 5 Stunden, die uns zur Verfügung standen, waren von daher DAMALS auch nicht unsere glücklichsten!

 

DIE LETZTEN 10 TAGE  

Vom Alkohol und von den Medikamenten im MOMENT nicht mehr abhängig, begann für mich ein absolutes Wohlgefühl, ein Gefühl der Geborgenheit, der Vertrautheit, der Sorglosigkeit! Ein Gefühl, daß mir in den letzten 10 Jahren verloren gegangen war!

An jedem Tag, der die Heimkehr näher rücken ließ, ein wenig Trauer. Was steckte dahinter? Sicherlich die Angst, was kommt auf mich zu, was erwartet mich? Schaffe ich den normalen Weg, komme ich Zuhause zurecht????????

© Mathias Rüberg  

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