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 Ecstasy und Amphetamine

  1. Kurzer geschichtlicher Abriss von Ecstasy und Amphetaminen
  2. Chemisch nahe Verwandte von MDMA
  3. Aufbereitung von Ecstasy und Amphetaminen
  4. Pharmakokinetik und Applikationsformen
  5. Psychisch sowie physiologisch erwünschte und unerwünschte Wirkungen
  6. Kombinationswirkungen

Geschichtlicher Abriss

Erstmals wurden Amphetamine 1887 synthetisch hergestellt und ähnelte von den Wirkeigenarten denen des Kokains. Wie viele andere Drogen auch, wurden Amphetamine anfangs als wahres Allheilmittel betrachtet. So wurden zwischen 1935-1946 39 Indikationen festgelegt. Helfen sollten Amphetamine z.B. bei Schizophrenie, Nikotinsucht, Übergewicht, chronischer Schluckauf, Nakolepsie (zwanghaftes Schlafen) und dienten Soldaten, besonders Fliegern, im 2. Weltkrieg, da es kurzfristig leistungssteigernd ist und eine aufputschende Wirkung hat. Aber nicht nur Erwachsenen gab und gibt man noch heute Amphetamine, sondern auch Kindern ab ca. 6 Jahren, bei denen ADS diagnostiziert wurde. Diese sollten dann beruhigend auf die auffälligen Kinder wirken und ausserdem noch die Konzentrationsfähigkeit steigern. Dazu muss man erwähnen, dass Amphetmine bei Erwachsenen stimulierend wirken, während bei Kindern eher eine dämpfende Wirkung eintritt. Erst Ende der 40er Jahre traten erste Missbrauchsfälle auf, meist bei Lastwagenfahrern und Studenten.

Ecstasy (MDMA) wurde erstmals 1913 synthetisiert, geriet dann aber für einige Jahrzehnte, mehr oder weniger, in Vergessenheit. Anfang der 70er Jahre wurde MDMA nur vereinzelt in der Hippieszene konsumiert, doch am Ende dieses Jahrzehnts interessierten sich auch verstärkt andere Kreise dafür, wie z.B. Studenten, Psychiater oder die Homosexuellenszene, da MDMA den Ruf einer Liebesroge hat. Erst im Juli 1985 wurde MDMA per Notverordnung im amerikanischen Betäubunsmittelgesetzt aufgenommen - im August 1986 fiel auch in Deutschland MDMA unter das Betäubunsmittelgesetz. Damit wurde MDMA der evt. therapeutische Nutzen aberkannt und auch verhindert, dass damit weiterhin geforscht werden konnte.

Chemisch nahe Verwandte von MDMA

Es ist zu erwähnen, dass es neben Ecstasy noch einige andere nahe chemische "Verwandte" gibt, sogenannte Derivate. So ist Ecstasy z.B. auch "nur" ein Amphetamin-Derivat. Aber neben MDMA und Amphetaminen gibt es noch MDA, MBDB, MDE (Eve) und Methamphetamin (Speed, Pep).

Aufbereitung von Ecstasy und Amphetaminen

Amphetamine sowie MDMA werden meist illegal in kleinen "Giftküchen" hergestellt und dort gegebenenfalls weiterbehandelt (MDMA wird z.B. in Pillenform gebracht). Ausserdem werden die Drogen dort schon oft gestreckt. So wird Ecstasy beispielsweise mit Mehl, Milchzucker, Talkum, Paracetamol, Asperin, Ephidrien, Koffeein, Strichnin, PMA (Buttersäure- neurotoxische Wirkung, wird gerne von Sportlern genutzt) oder aber auch mit Amphetaminen, LSD oder Heroin. Bei den Amphetaminen ist es ähnlich, auch hier wird oftmals mit Koffein und Paracetamol gestreckt.

Pharmakokinetik und Applikationsformen

Applikationsformen:
Ecstasy:
Meistens wird MDMA oral in Pillenform aufgenommen, wobei allerdings nur etwa ein Drittel über den Magen den Blutkreislauf erreicht. Der größte Teil aber wird wieder unverändert ausgeschieden.
Amphetamine:
Amphetamine, besonders "Speed", werden meistens nasal konsumiert oder aber auch als "Bömbchen" oral. Dabei ist der Wirkeintritt allerdings langsamer als beim nasalen Konsum. Eine weitere Applikationsform ist das Free-Base. Hierbei reagiert das Amphetamin mit Äther und das Endprodukt daraus wird dann geraucht.
Pharmakokinetik:
Zur besseren Veranschaulichung, wie MDMA und Amphetamine genau im Körper wirken, wurde der Molekülaufbau von Speed, MDMA, Dopamin und Seratonin an die Tafel gezeichnet. Daran kann man erkennen, dass der Molekülaufbau von körpereigenen Drogen (wie z. B. Dopamin) sich kaum vom Aufbau des chemisch hergestellten Methamphetamin unterscheidet. Dies erklärt die "gute" und schnelle Wirksamkeit von Amphetaminen.

MDMA:
Nach dem Konsum von Ecstasy setzt die Wirkung nach ca. 15-30 Minuten ein. Die Wirkdauer beträgt (bei einem Wirkstoffgehalt von 500-100 mg) ca. 4-6 Stunden, wobei die höchste Plasmakonzentration, also der Höhepunkt, nach etwa einer Stunde eintritt und auch ungefähr so lange anhält. Die Halbwertzeit von MDMA beträgt ca.11 Stunden. MDMA wirkt hauptsächlich an den Synapsen mit den Neurotransmittern Seratonin. Es bewirkt, dass Seratonin ausgeschüttet wird und es blockiert den Rückweg in die Sendestellen. Im synaptischen Spalt bewirkt Seratonin eine Flut von Impulsen, die als Glücksgefühle wahrgenommen werden. In der Leber wird das MDMA abgebaut und es entsteht MDA (Metabolid, halluzinogen). Dieses MDA ist auch der Verursacher der neurotoxischen Nebenwirkungen. Bei einer Dosierung von über 200 mg, können schwere Schäden auftreten.

Amphetamine:
Bei nasalen Konsum ist schon nach ca. 1-5 Minuten der Wirkeintritt zu spüren, die Dauer beträgt etwa 1-2 Stunden. Bei der risikoärmeren oralen Aufnahme kann es eine gute halbe Stunde dauern und die Wirkung ist etwas sanfter und länger. Zwischen Amphetamin und dem körpereigenen Hormon Adrenalin besteht eine vergleichbare chemische Struktur. Es wirkt auf den Botenstoff Noradrenalin, der durch die Einnahme freigesetzt wird - das führt zur Erregung des zentralen Nervensystems.

Zu Top 5: Psychiche und physische Wirkungen

Ecstasy:        

Die Wirkung von MDMA ist recht schwierig zu beschreiben, da es ein sehr breites Wirkungsspektrum hat. Man könnte die Wirkung als eine sinnesintensivierende Bewußtseinsveränderung auf der Gefühlsebene beschreiben, wobei in der Regel keine neuen Gefühle entstehen, sondern die momentane Grundstimmung der konsumierenden Person verstärkt wird. Dabei werden gleichzeitig negative Gefühle, wie z.B. Ängste oder Hemmungen abgebaut und das Selbstbewußtsein verstärkt. Oft entsteht das Bedürfnis nach Kontakt und Kommunikation, was sich auch in Therapiesitzungen bewährt hat. Bei Wirkeintritt sind zuerst folgende Symptome festzustellen: Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur steigen an und die Bronchien erweitern sich, so dass sich die Sauerstoffaufnahmefähigkeit steigert. Gerade beim Tanzen (also starke körperliche Anstrengung, oft über Stunden in schon tranceähnlichen Zuständen) unterschätzen die Konsumenten oft die Gefahr eines Hitzschlages. Sie tanzen stundenlang in überhitzten Discos und nehmen kaum die Überhitzung und Austrocknung ihres eigenen Körpers wahr. Deswegen sind regelmäßige Erholungspausen und genügend Flüssigkeit zwingend notwendig, wenn man keinen Kreislaufzusammenbruch erleiden möchte. Durch die Überhitzung des Körpers kann es auch zu einer Hypertermie kommen. Dabei werden die Eiweißmoleküle des Körpers zerstört und durch mangelnde Durchblutung kann es zum Zerfall von Muskelgewebe kommen. Ebenso können neurotoxische Langzeitfolgen, auftreten, wie z.B. die Immunnaxolitis, bei der sich Venen und Aterien verengen, was auf Dauer besonders Herz und Gehirn schädigen kann. Ebenfalls ist zu erwähnen, dass sich der Neurotransmitterhaushalt bei häufigem Konsum von MDMA umstellt (häufiger Konsum bedeutet etwa einmal pro Woche). Rainer Thomasius hat zu dem Thema Langzeitfolgen Untersuchungen angestellt und schließlich behauptet, dass seiner Meinung nach 49% aller Langzeit- aber auch Kurzzeitkonsumenten extreme Gedächtnisprobleme aufweisen. Ausserdem wären auch Identitätsprobleme, eingeschränkte Beziehungsfähigkeit, Isolation und Sprachstörungen zu beobachten gewesen.

Beim raschen Abklingen (Runterkommen) der Wirkung fühlt sich der Konsument meist depressiv, was auf den niedrigen Seratoninspiegel zurückzuführen ist. Die Nachwirkungen können mit Vitaminen und Antidepressiva gemildert werden.

Amphetamine:

Die Wirkung von Amphetaminen ist eine andere als bei MDMA. Amphetamin ist keine Harmonie/Glücksdroge wie Ecstasy, sondern sie ist in erster Linie leistungssteigernd, Müdigkeit verschwindet und eine gesteigerte Wahrnehmung setzt ein. Dabei führen die Amphetamine keine Energie zu, sondern mobilisieren die Notreserven des Körpers. Dem Körper wird also nur vorgegaukelt, in einer Extremsituation zu sein. Dadurch fühlt sich der Konsument energiegeladen und verspürt nicht mehr die schützenden Signale seines Körpers, wie Müdigkeit, Hunger oder Durst. Die ersten Symptome zu Wirkeintritt sind ein erhöhter Blutdruck, steigende Körpertemperatur und Herzfrequenz und die Bronchien werden aufnahmefähiger. Es kann sich ein allgemeines Wohlbefinden im Körper ausbreiten, oder es kann auch zu Nervosität, Anspannung und Desorientierung kommen. Beim "Runterkommen" stellen sich auch oft Depressionen oder Müdigkeit ein, da sich das Schlafmuster erst wieder normalisieren muss. Ebenso muss sich die belohnende Wirkung im Gehirn (durch Essen, Sex...) erst wieder über Wochen oder sogar Monaten regenieren. Bei regelmäßigem Konsum entwickelt sich eine rasche Toleranz, wobei es schon bei Kurzzeitkonsumenten wie auch bei Langzeitkonsumenten zu Folgeerscheinungen wie Depressivität, Konzentrationsschwierigkeiten, Antreibslosigkeit bis hin zu Paranoia kommen kann. Hier tritt auch häufiger ein exzessiveres Gebrauchsmuster auf, als z.B. bei MDMA. Die Wirkung ist aber immer von Set und Setting beeinflusst. So können z.B. Licht und Musik auch verschiedene Empfindungen hervorrufen.

Kombinationswirkungen

Von Mischkonsum ist im allgemeinen abzuraten, da man die Wirkung hierbei noch viel weniger abschätzen kann, als z.B. beim Gebrauch reinen MDMA's. Ausserdem hat man es ja auch nicht immer mit reinem MDMA zu tun, sondern auch mit Streckmitteln (oder auch mit Metamphetaminen oder ähnlichem), die die Wirkung beeinflussen können. Kombiniert man z.B. MDMA und Metamphetamine, kann man sich ziemlich sicher sein, dass auch das Speed gestreckt ist. Aber nicht nur vor dem Mischkonsum von MDMA und anderen chemischen Drogen wird gewarnt, sondern auch vor der gleichzeitigen Einnahme von Alkohol, da es dann dazu kommen kann, dass der Konsument die Bedürfnisse seines Körpers nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Bei dem gleichzeitigem Gebrauch von Mao-Hemmern (Antidepressiva) und MDMA zu kann es ebenfalls zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen. So kann es z.B. passieren, dass der Konsument das Bewusstsein verlieren kann oder schlimmstenfalls sogar verstirbt und das aufgrund von Hyperthermie oder sogar einer totalen Überflutung von Seratonin, die der Körper nicht mehr verkraften kann. Vor der Kombination von Kokain und Amphetamin wird ebenfalls gewarnt, da dies die Wirkung noch potenziert, was den Rausch noch uneinschätzbarer werden lässt.  

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