Geschichtlicher Abriss
Erstmals wurden Amphetamine
1887 synthetisch hergestellt und ähnelte von den Wirkeigenarten denen des
Kokains. Wie viele andere Drogen auch, wurden Amphetamine anfangs als wahres
Allheilmittel betrachtet. So wurden zwischen 1935-1946 39 Indikationen
festgelegt. Helfen sollten Amphetamine z.B. bei Schizophrenie, Nikotinsucht, Übergewicht,
chronischer Schluckauf, Nakolepsie (zwanghaftes Schlafen) und dienten Soldaten,
besonders Fliegern, im 2. Weltkrieg, da es kurzfristig leistungssteigernd ist
und eine aufputschende Wirkung hat. Aber nicht nur Erwachsenen gab und gibt man
noch heute Amphetamine, sondern auch Kindern ab ca. 6 Jahren, bei denen ADS
diagnostiziert wurde. Diese sollten dann beruhigend auf die auffälligen Kinder
wirken und ausserdem noch die Konzentrationsfähigkeit steigern. Dazu muss man
erwähnen, dass Amphetmine bei Erwachsenen stimulierend wirken, während bei
Kindern eher eine dämpfende Wirkung eintritt. Erst Ende der 40er Jahre traten
erste Missbrauchsfälle auf, meist bei Lastwagenfahrern und Studenten.
Ecstasy (MDMA) wurde erstmals
1913 synthetisiert, geriet dann aber für einige Jahrzehnte, mehr oder weniger,
in Vergessenheit. Anfang der 70er Jahre wurde MDMA nur vereinzelt in der
Hippieszene konsumiert, doch am Ende dieses Jahrzehnts interessierten sich auch
verstärkt andere Kreise dafür, wie z.B. Studenten, Psychiater oder die
Homosexuellenszene, da MDMA den Ruf einer Liebesroge hat. Erst im Juli 1985
wurde MDMA per Notverordnung im amerikanischen Betäubunsmittelgesetzt
aufgenommen - im August 1986 fiel auch in Deutschland MDMA unter das Betäubunsmittelgesetz.
Damit wurde MDMA der evt. therapeutische Nutzen aberkannt und auch verhindert,
dass damit weiterhin geforscht werden konnte.
Chemisch nahe Verwandte
von MDMA
Es ist zu erwähnen, dass es
neben Ecstasy noch einige andere nahe chemische "Verwandte" gibt,
sogenannte Derivate. So ist Ecstasy z.B. auch "nur" ein
Amphetamin-Derivat. Aber neben MDMA und Amphetaminen gibt es noch MDA, MBDB, MDE
(Eve) und Methamphetamin (Speed, Pep).
Aufbereitung von Ecstasy
und Amphetaminen
Amphetamine sowie MDMA werden
meist illegal in kleinen "Giftküchen" hergestellt und dort
gegebenenfalls weiterbehandelt (MDMA wird z.B. in Pillenform gebracht).
Ausserdem werden die Drogen dort schon oft gestreckt. So wird Ecstasy
beispielsweise mit Mehl, Milchzucker, Talkum, Paracetamol, Asperin, Ephidrien,
Koffeein, Strichnin, PMA (Buttersäure- neurotoxische Wirkung, wird gerne von
Sportlern genutzt) oder aber auch mit Amphetaminen, LSD oder Heroin. Bei den
Amphetaminen ist es ähnlich, auch hier wird oftmals mit Koffein und Paracetamol
gestreckt.
Pharmakokinetik und
Applikationsformen
Applikationsformen:
Ecstasy:
Meistens wird MDMA oral in Pillenform aufgenommen, wobei allerdings nur etwa ein
Drittel über den Magen den Blutkreislauf erreicht. Der größte Teil aber wird
wieder unverändert ausgeschieden.
Amphetamine:
Amphetamine, besonders "Speed", werden meistens nasal konsumiert oder
aber auch als "Bömbchen" oral. Dabei ist der Wirkeintritt allerdings
langsamer als beim nasalen Konsum. Eine weitere Applikationsform ist das
Free-Base. Hierbei reagiert das Amphetamin mit Äther und das Endprodukt daraus
wird dann geraucht.
Pharmakokinetik:
Zur besseren Veranschaulichung, wie MDMA und Amphetamine genau im Körper
wirken, wurde der Molekülaufbau von Speed, MDMA, Dopamin und Seratonin an die
Tafel gezeichnet. Daran kann man erkennen, dass der Molekülaufbau von körpereigenen
Drogen (wie z. B. Dopamin) sich kaum vom Aufbau des chemisch hergestellten
Methamphetamin unterscheidet. Dies erklärt die "gute" und schnelle
Wirksamkeit von Amphetaminen.
MDMA:
Nach dem Konsum von Ecstasy setzt die Wirkung nach ca. 15-30 Minuten ein. Die
Wirkdauer beträgt (bei einem Wirkstoffgehalt von 500-100 mg) ca. 4-6 Stunden,
wobei die höchste Plasmakonzentration, also der Höhepunkt, nach etwa einer
Stunde eintritt und auch ungefähr so lange anhält. Die Halbwertzeit von MDMA
beträgt ca.11 Stunden. MDMA wirkt hauptsächlich an den Synapsen mit den
Neurotransmittern Seratonin. Es bewirkt, dass Seratonin ausgeschüttet wird und
es blockiert den Rückweg in die Sendestellen. Im synaptischen Spalt bewirkt
Seratonin eine Flut von Impulsen, die als Glücksgefühle wahrgenommen werden.
In der Leber wird das MDMA abgebaut und es entsteht MDA (Metabolid,
halluzinogen). Dieses MDA ist auch der Verursacher der neurotoxischen
Nebenwirkungen. Bei einer Dosierung von über 200 mg, können schwere Schäden
auftreten.
Amphetamine:
Bei nasalen Konsum ist schon nach ca. 1-5 Minuten der Wirkeintritt zu spüren,
die Dauer beträgt etwa 1-2 Stunden. Bei der risikoärmeren oralen Aufnahme kann
es eine gute halbe Stunde dauern und die Wirkung ist etwas sanfter und länger.
Zwischen Amphetamin und dem körpereigenen Hormon Adrenalin besteht eine
vergleichbare chemische Struktur. Es wirkt auf den Botenstoff Noradrenalin, der
durch die Einnahme freigesetzt wird - das führt zur Erregung des zentralen
Nervensystems.
Zu Top 5: Psychiche und
physische Wirkungen
Ecstasy:
Die Wirkung von MDMA ist
recht schwierig zu beschreiben, da es ein sehr breites Wirkungsspektrum hat. Man
könnte die Wirkung als eine sinnesintensivierende Bewußtseinsveränderung auf
der Gefühlsebene beschreiben, wobei in der Regel keine neuen Gefühle
entstehen, sondern die momentane Grundstimmung der konsumierenden Person verstärkt
wird. Dabei werden gleichzeitig negative Gefühle, wie z.B. Ängste oder
Hemmungen abgebaut und das Selbstbewußtsein verstärkt. Oft entsteht das Bedürfnis
nach Kontakt und Kommunikation, was sich auch in Therapiesitzungen bewährt hat.
Bei Wirkeintritt sind zuerst folgende Symptome festzustellen: Blutdruck,
Herzfrequenz und Körpertemperatur steigen an und die Bronchien erweitern sich,
so dass sich die Sauerstoffaufnahmefähigkeit steigert. Gerade beim Tanzen (also
starke körperliche Anstrengung, oft über Stunden in schon tranceähnlichen
Zuständen) unterschätzen die Konsumenten oft die Gefahr eines Hitzschlages.
Sie tanzen stundenlang in überhitzten Discos und nehmen kaum die Überhitzung
und Austrocknung ihres eigenen Körpers wahr. Deswegen sind regelmäßige
Erholungspausen und genügend Flüssigkeit zwingend notwendig, wenn man keinen
Kreislaufzusammenbruch erleiden möchte. Durch die Überhitzung des Körpers
kann es auch zu einer Hypertermie kommen. Dabei werden die Eiweißmoleküle des
Körpers zerstört und durch mangelnde Durchblutung kann es zum Zerfall von
Muskelgewebe kommen. Ebenso können neurotoxische Langzeitfolgen, auftreten, wie
z.B. die Immunnaxolitis, bei der sich Venen und Aterien verengen, was auf Dauer
besonders Herz und Gehirn schädigen kann. Ebenfalls ist zu erwähnen, dass sich
der Neurotransmitterhaushalt bei häufigem Konsum von MDMA umstellt (häufiger
Konsum bedeutet etwa einmal pro Woche). Rainer Thomasius hat zu dem Thema
Langzeitfolgen Untersuchungen angestellt und schließlich behauptet, dass seiner
Meinung nach 49% aller Langzeit- aber auch Kurzzeitkonsumenten extreme Gedächtnisprobleme
aufweisen. Ausserdem wären auch Identitätsprobleme, eingeschränkte
Beziehungsfähigkeit, Isolation und Sprachstörungen zu beobachten gewesen.
Beim raschen Abklingen
(Runterkommen) der Wirkung fühlt sich der Konsument meist depressiv, was auf
den niedrigen Seratoninspiegel zurückzuführen ist. Die Nachwirkungen können
mit Vitaminen und Antidepressiva gemildert werden.
Amphetamine:
Die Wirkung von Amphetaminen
ist eine andere als bei MDMA. Amphetamin ist keine Harmonie/Glücksdroge wie
Ecstasy, sondern sie ist in erster Linie leistungssteigernd, Müdigkeit
verschwindet und eine gesteigerte Wahrnehmung setzt ein. Dabei führen die
Amphetamine keine Energie zu, sondern mobilisieren die Notreserven des Körpers.
Dem Körper wird also nur vorgegaukelt, in einer Extremsituation zu sein.
Dadurch fühlt sich der Konsument energiegeladen und verspürt nicht mehr die
schützenden Signale seines Körpers, wie Müdigkeit, Hunger oder Durst. Die
ersten Symptome zu Wirkeintritt sind ein erhöhter Blutdruck, steigende Körpertemperatur
und Herzfrequenz und die Bronchien werden aufnahmefähiger. Es kann sich ein
allgemeines Wohlbefinden im Körper ausbreiten, oder es kann auch zu Nervosität,
Anspannung und Desorientierung kommen. Beim "Runterkommen" stellen
sich auch oft Depressionen oder Müdigkeit ein, da sich das Schlafmuster erst
wieder normalisieren muss. Ebenso muss sich die belohnende Wirkung im Gehirn
(durch Essen, Sex...) erst wieder über Wochen oder sogar Monaten regenieren.
Bei regelmäßigem Konsum entwickelt sich eine rasche Toleranz, wobei es schon
bei Kurzzeitkonsumenten wie auch bei Langzeitkonsumenten zu Folgeerscheinungen
wie Depressivität, Konzentrationsschwierigkeiten, Antreibslosigkeit bis hin zu
Paranoia kommen kann. Hier tritt auch häufiger ein exzessiveres Gebrauchsmuster
auf, als z.B. bei MDMA. Die Wirkung ist aber immer von Set und Setting
beeinflusst. So können z.B. Licht und Musik auch verschiedene Empfindungen
hervorrufen.
Kombinationswirkungen
Von Mischkonsum ist im
allgemeinen abzuraten, da man die Wirkung hierbei noch viel weniger abschätzen
kann, als z.B. beim Gebrauch reinen MDMA's. Ausserdem hat man es ja auch nicht
immer mit reinem MDMA zu tun, sondern auch mit Streckmitteln (oder auch mit
Metamphetaminen oder ähnlichem), die die Wirkung beeinflussen können.
Kombiniert man z.B. MDMA und Metamphetamine, kann man sich ziemlich sicher sein,
dass auch das Speed gestreckt ist. Aber nicht nur vor dem Mischkonsum von MDMA
und anderen chemischen Drogen wird gewarnt, sondern auch vor der gleichzeitigen
Einnahme von Alkohol, da es dann dazu kommen kann, dass der Konsument die Bedürfnisse
seines Körpers nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Bei dem gleichzeitigem
Gebrauch von Mao-Hemmern (Antidepressiva) und MDMA zu kann es ebenfalls zu
schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen. So kann es z.B. passieren, dass der
Konsument das Bewusstsein verlieren kann oder schlimmstenfalls sogar verstirbt
und das aufgrund von Hyperthermie oder sogar einer totalen Überflutung von
Seratonin, die der Körper nicht mehr verkraften kann. Vor der Kombination von
Kokain und Amphetamin wird ebenfalls gewarnt, da dies die Wirkung noch
potenziert, was den Rausch noch uneinschätzbarer werden lässt.