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Die Entstehung der Anorexie

 

Erklärungsmodell

Sehr oft wird die Bulimie mit der Anorexie (Magersucht) verwechselt. Das soll heißen, dass sehr oft Anorexiekranke von der passiven Form in die aktive Form  wechseln. Der häufige Fehler hier ist, dass auf  Bulimie behandelt wird. Der Erfolg liegt dann darin das die Brechvorgänge zwar gestoppt werden doch die Anorexie als solches bleibt.

Immer wieder stelle ich fest, dass bei Menschen die an Anorexie leiden auf alle möglichen Probleme eingegangen wird, doch es wird die Kindheit nicht behandelt und auch keine Verhaltenstherapie durchgeführt.

Zu oft liegt auch bei beiden Krankheiten (Bulimie und Anorexie) die Borderline-Störung zugrunde.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ein Bulimiekranker oder Anorexiekranker muss keine unterliegende Borderline-Störung aufweisen, auch wenn starke Anzeichen bestehen.

Hier handelt es sich vielmehr um die Urstörung, welche ja noch keine Störung war / ist - da noch nicht manifestiert.

Sagen wir also besser, um den gestörten Zustand in der Kindheit, aus dem dann die Anorexie oder Bulimie entsteht.

Es ist festzustellen, dass, wenn dieser Urzustand nicht analytisch und verhaltenstherapeutisch aufgearbeitet wird, die Behandlung völlig fehlschlägt.

 

Es sind nicht die großen Dinge die Welt verändern,

doch es sind die kleinen Dinge die Grosses bewirken.

 

Nachfolgende Konstellation ist bei der Anorexie oft festzustellen. Die Anorexie tritt sehr häufig bei Familien auf, in denen es zwei Schwestern gibt. Wobei die Anorexie die Zweitgeborene trifft. Warum? - könnten wir uns fragen. Die Antwort ist ziemlich einfach. Am Ende der Seite werden Sie es sehen. 

Betrachten wir uns zuerst eine (bei Borderlinepersönlichkeiten eine oft vorkommende und sehr wahrscheinliche) Konstellation der Familie. So ist dementsprechend natürlich Mutter mit Vater und Vater mit Mutter austauschbar.

Mutter

Vater

Kind 1 (w)

Kind 2 (w) Anorexia

sehr  sauber

verantwortungsbewusst

weiblich ausgeprägt

männlich ausgeprägt

konservativ

Mutter unterlegen

konservativ

ausgeflippt

streng

überreizt

nach Vorschrift handelnd

Vorschriften ignorierend

herrschsüchtig  

ambivalent

manchmal zu viel Alkohol

spielen mit Puppen

spielen wie/mit Jungen

bestimmend, nach Regeln handelnd

sich unterordnend

  schwache Sexualität

  starke Sexualität

führend

Minderwertigkeitskomplexe

 

  schwaches Selbstwertgefühl

sarkastisch

Familienbewusst

 

 

abwertend

fürsorglich

 

 

selbstzweifelnd

gutmütig

 

 

wehleidig

 

 

 

hysterisch  

 

Karriere

Leben

 

Bestechend sind folgende Dinge:

Beide Elternteile haben sich ein zweites Kind gewünscht. Grundsätzlich stellt man fest,  dass in der Ehe der Eltern einiges schief gelaufen ist und auch noch immer läuft. Diese Menscheln sind nicht mehr durch Liebe aneinander gebunden, sondern durch Regeln. Wie auch immer diese aussehen, Hauptsache ist, sie entsprechen der Norm. Die Verbindung der Eltern wird in der Regel von der Mutter geführt, der Vater ordnet sich hier unter.

Die Mutter ist auf der einen Seite eine sehr liebevolle Frau, mit Sorgen um... doch zeigt sie auf der anderen Seite ein ambivalentes Verhalten dem 2. Kind gegenüber. Nicht gegenüber dem ersten Kind. Das zweite Kind ist zwar gewünscht, doch als Junge. Die Geburt der zweiten Tochter lässt hier eine Welt für beide zusammen brechen. Die Wut und Ohnmacht darüber projizieren sie auf das zweite Kind (Tochter).

Von der Mutter abgelehnt und vom Vater nicht als das betrachtet was es ist, beginnt hier der Leidensweg des Kindes.

Die Mutter umgibt die Zweitgeborene nicht mit der Liebe wie die Erstgeborene, sie hat auch nicht das Verständnis. Obwohl sie dem Kind zu verstehen gibt, dass doch "Mutter sie liebt", zeigt sie eine permanente Ablehnung in Form von Kritik an dem Mädchen. Sehr oft geschieht dies in Bezug auf die ältere Schwester als sogenanntes "Vorbild".

Der Vater wiederum liebt zwar das Kind (2. Tochter), doch in seiner Enttäuschung, die er nicht zeigt, darüber dass das 2. Kind kein Junge wurde, ist groß. So polt er um. Das junge Mädchen wird für ihn zum Jungen.

Hier beginnt das Dilemma der Störung.

 

Das Kind will geliebt werden

 

 

 

 

Von der Mutter nicht geliebt, vom Vater nicht als das geliebt was es ist, muß dieses Kind in einer anderen Welt Zuflucht nehmen. Es muß einen Weg finden von der Mutter akzeptiert zu werden, dies kann nur geschehen,  wenn der Vater sie liebt und sie muß einen Weg finden der Mutter eine, wenn auch kleine Kraft, entgegenzubringen. Auch dies kann nur geschehen wenn der Vater sie liebt. Dies tritt in der genitalen Phase ein. siehe M in der das Kind jetzt Gefühlskonflikte bewältigen muß. Der Konflikt zwischen Angst und Geborgenheit.

Der Vater tritt also für solche Menschen in den Vordergrund.

Da der Vater aber diese Tochter nicht als Tochter liebt, sondern als Sohn, wird dieses Kind alles versuchen der Sohn zu sein, den sich der Vater erträumt hat.

Der Vater wiederum behandelt die Tochter wie einen Sohn, einen Sohn den man liebt. Dazu gehört natürlich auch das Gesamte. (Schulterklopfen, nicht weinen, schreien, Ohrfeigen, etc.) aber nicht das, was für ein Mädchen relevant ist, bzw. wie es die jüngere Tochter bei der älteren erlebt und sieht. 

Das Kind rutscht mehr und mehr in einen seelischen Konflikt der vier Dinge beinhaltet.

a)       Frau sein zu wollen, aber nicht darf, weil sie sonst Liebe vom Vater verliert

b)       Von der Mutter geliebt zu werden, aber nicht zu wissen wie sie es anstellen soll,

                1.) da sie alles verkehrt macht und 2.) den Vater verraten würde

c)       die Wut auf die Mutter, die sich mehr und mehr nach innen richtet

d)       der Hass auf die Schwester, die geliebt wird

e)       nichts Böses tun zu wollen

Dieser Konflikt ist für das Kind nicht zu bewältigen, dennoch arbeiten diese Menscheln ein "ICH" heraus mit dem Preis der Körperschädigung.

Beginnend mit der ersten Periode, der Brustentwicklung, wird der innere seelisch Konflikt nach außen verlagert.

Zum einen ist das "nicht essen" eine Abwehr bzw. Oppositionshaltung. Zum anderen aber, und dies in der Hauptsache, liegt hier ein anderer Gedanke zu Grunde.

Höchstes Gebot für das Kind ist, nicht auch noch die Liebe des Vaters zu verlieren, auch wenn dieser einen Sohn in das Mädchen projiziert. Da dieses Kind sich jetzt zur Frau entwickelt, wird sie alles versuchen, die entstehenden weiblichen Formen zu vermeiden: Über nicht essen oder erbrechen - oft alles in Verbindung mit exzessivem Sport.

Der Sport wiederum erfüllt hier eine Doppelfunktion.

a)       Leistungen wie ein Junge

b)       Körper wie ein Junge

c)       Der unglaubliche innere Spannungsabbau / Aggressionsabbau 

Ab einen gewissen Zeitpunkt verselbständigt sich die Krankheit und die Gedanken und Gefühle werden abgekapselt. Hier nicht abgespalten.

Weitere Ursachen der Anorexie und Bulimie kann ein früher sexueller hauptsächlich oraler Missbrauch sein.

Fallbeispiel M          Fallbeispiel S

© "Team der Borderlinezone" 2002-2007

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