Die
Dependente- Borderline Beziehung
Betrachten wir uns die Beziehung zwischen einer dependenten Persönlichkeit und einer Borderlinepersönlichkeit (Borderline-Störung) etwas näher.
Da
die Borderlinepersönlichkeit immer als Opfer aus der alten Beziehung kommt,
lernen sich beide immer über die Opfer- Helferrolle kennen. Die Borderlinepersönlichkeit
braucht Schutz und Hilfe vor den bösen Verfolgern und die dependente Persönlichkeit
brennt darauf, Schutz und Hilfe zu gewähren.
Beide
besitzen starke Verlustängste, die zwar anders gelagert sind, das spielt aber
keine Rolle.
Am
Anfang der Beziehung kompensieren beide ihre Verlustängste über die von der
Borderlinepersönlichkeit geforderten Symbiose und durch gegenseitiges Klammern.
Die Borderlinepersönlichkeit stellt klar heraus, dass sie die dependente Persönlichkeit
nie verlassen würde und die dependente Persönlichkeit sendet die Signale
sowieso.
Als
Nutzobjekt zur sofortigen Bedürfnisbefriedigung der Borderlinepersönlichkeit
ist die dependente Persönlichkeit bestens geeignet. Sie wartet regelrecht
darauf, die Bedürfnisse der Borderlinpersönlichkeit (Borderline-Störung) befriedigen zu dürfen. In
dieser Beziehung kann die Borderlinepersönlichkeit ihrem Sadismus freien Lauf
lassen, da die dependente Persönlichkeit dies, und wenn sie noch so leidet,
heroisch erträgt. Auch wehrt sie sich kaum oder äußerst selten wie sehr sie
verletzt wird. Sie darf sogar in den Masochismus, als Verleugnungsmechanismus (psychische
Ich-Abwehr),
abgleiten.
Wird
es der dependenten Persönlichkeit zu bunt und sie wehrt sich, darf die
Borderlinepersönlichkeit in den Masochismus wechseln oder das Opfer spielen,
denn dann wird ja die dependente Persönlichkeit zum Täter.
Durch
das Machtbedürfnis der Borderlinepersönlichkeit und aus der Angst heraus,
verlassen zu werden, diese Signale sendet die Borderlinepersönlichkeit in der
Regel ab der achten Woche, macht sich die dependente Persönlichkeit zum Subjekt
(teils Masochismus).
Die
Borderlinepersönlichkeit löst in der dependenten Persönlichkeit die gleichen
Schuldgefühle aus, wie diese sie aus der Kindheit kennt. Um diese Schuldgefühle
in den Griff zu bekommen, macht sich die dependente Persönlichkeit zum Subjekt.
Genau
wie ein Kind das in einer Scheidung der Eltern tut, bzw. tun muss. Das Kind
steht als erstes in einem Loyalitätskonflikt und muss sich, meist von den
Eltern gefordert, für den einen oder anderen entscheiden. Durch die Trennung
der Eltern fühlt sich das Kind sowieso schon schuldig. Durch die dann
stattfindende Loyalitätsentscheidung werden diese Schuldgefühle massiv verstärkt.
Als
nächstes empfindet das Kind Verlustangst und zwar gegenüber dem Elternteil, für
welches es sich entscheiden musste. Unter anderem aus der eben getätigten
Erfahrung, die Trennung der Eltern, heraus. Um beides, d.h. die Verlustangst und
die Schuldgefühle, in den Griff zu bekommen, macht sich das Kind zum Subjekt
gegenüber dem verbleibenden Elternteil.
Im
Wechselspiel von Nähe und Distanz erleben beide ihre Kindheit, für die
dependente Persönlichkeit die Deaktivierung der, vom Borderliner ausgelösten,
Verlustängste über mehr Leistung (der Borderliner bleibt dann doch). Worin
sich für die dependente Persönlichkeit der Kreis (der Borderliner braucht
mich, weil..., somit "ich werde geliebt, weil gebraucht) wieder schließt.
Die
Borderlinepersönlichkeit bekommt die Liebe und die Anerkennung, die sucht, aber
durch ihre Störung nicht halten kann. Der Borderliner kann, weil der andere
dependent ist, das ewige Wechselspiel von Nähe und Distanz und seine
Ambivalenz, welche er aus der Kindheit kennt, voll ausleben. So bekommt er in
der Wiedervereinigung, immer wieder auf's neue die perfekte und absolute
Symbiose. Wie in der Kindheit muss diese, sonst könnte ja keine neue entstehen,
wieder gelöst werden. Hierfür eignet sich die dependente Persönlichkeit
bestens, denn sie will und wird ja nicht gehen.
Das
wiederum weiß die Borderlinepersönlichkeit und wird darin bestätigt, indem
die dependente Persönlichkeit verbissen versucht, die Borderlinepersönlichkeit
zur Umkehr zu bewegen. Auch erfährt die Borderlinepersönlichkeit in dem Kampf
der dependenten Persönlichkeit die Bestätigung geliebt zu werden und die Bestätigung,
doch etwas wert zu sein und die Omnipotenzgefühle (Allmachtsgefühle), die sie
braucht.
Die
dependente Persönlichkeit dagegen findet in der Borderlinepersönlichkeit
alles, für was sie sich aufopfern darf.
Sie
bekommt ihre Schuldgefühle über die Abwertung und Schuldzuweisungen des
Borderliners, die sie braucht, um sich noch mehr anzustrengen, bzw. besser zu
werden.
Überhaupt
ist die dependente Persönlichkeit für die permanenten Schuldzuweisungen des
Borderliners bestens geeignet. Nur zu gern bekennt sie sich, durch ihre Persönlichkeitsstruktur,
schuldig im Sinne der Anklage.
Von
der Borderlinepersönlichkeit bekommt die dependente Persönlichkeit das Gefühl,
gebraucht zu werden, was ja für diese wiederum "ich werde geliebt"
bedeutet. Da sie ja vom Borderliner, im Wechselspiel nicht verlassen wird, bestätigt
sich für ihn nur "ich muss mich nur noch mehr anstrengen, noch mehr
lieben". Dass dies die Normalität des Borderliners (der Borderline-Störung) ist, sieht die dependente
Persönlichkeit nicht.
Sie
will nicht sehen und dazu benutzt sie ihren gut funktionierenden
Abwehrmechanismus der Verleugnung. Auch nicht, dass sie schon sehr bald sowieso
vom Borderliner fallen gelassen wird. Die dependente Persönlichkeit braucht ja
einen Partner, mit dem so einiges nicht stimmt und dies stellt der Borderliner
(die Borderline-Störung) von Anfang an klar heraus.
Auch
wenn die dependente Persönlichkeit die Destruktivität dieser Beziehung
erkennt, ist sie ohne fremde Hilfe kaum in der Lage, sich aus dieser zu lösen.
Für andere "Normale" schon schwer, für Dependente fast unmöglich.
Beide
sind suchtgefährdet und dürfen sich, je nach dem, wer "drauf" ist, der Co-
Abhängigkeit bedienen bzw. erfreuen.
Ist
die dependente Persönlichkeit "drauf", darf der Borderliner helfen und
abwerten, verstehen und Schuld zu weisen (Ambivalenz). Ist der Borderliner
"drauf", darf die dependente Persönlichkeit helfen und ihre Abhängigkeit
verschieben.
Beide
sind in der Kindheit verhaftet und die Beziehung lässt sie wieder und wieder
diese erleben. Jeder der beiden, natürlich jeweils andere Stadien der Kindheit.
Beide versuchen über den anderen ihre Verletzungen der Kindheit ungeschehen zu
machen.
Diese
Beziehung ist ein perfektes Ineinanderspiel verinnerlichter
Verhaltensstrukturen, Familienmuster, Gefühle (wie Angst, Zorn, Wut, Ohnmacht,
Hilflosigkeit) Wünsche und Projektionen.
Durch
die immer wiederkehrende Beteuerung der Borderlinepersönlichkeit, welches
Markenzeichen der Borderline-Störung ist, sie würde
sich ändern, darf die dependente Persönlichkeit ihren Traum "wie es sein könnte"
immer wieder neu träumen.
Ja
manchmal erscheint es geradezu, als ob ganze Situationen/ Gegebenheiten sich
scheinbar wiederholen.
Wir
können vereinfacht sagen, beide können miteinander "etwas anfangen". Topf
und Deckel, gesucht und gefunden.
Die
Beziehung in dieser Konstellation ist für beide am intensivsten. Und wenn die
dependente Persönlichkeit noch ADHS im Erwachsenenalter besitzt, geht's
aber richtig zur Sache. Das ist die Krönung, das Non Plus Ultra.
Die
Gefühle, in jeder Richtung, die sie dann innerhalb der Beziehung erleben, sind
so überwältigend, dass beiden die Worte fehlen. Für sie ist es, zumindest bis
zum Ende, die große, absolute
Liebe. Vom Borderliner als Mystik, Magie oder als
Folge der Reinkarnation bezeichnet. Später natürlich als einzige Katastrophe.
In
der Trennung einer solchen Beziehung hat es die dependente Persönlichkeit
besonders schwer. Aus folgenden Gründen. Wenn sie es denn schafft, sich zu
trennen, hält sie dies kaum durch, da wie üblich der Borderliner wieder
auftaucht, um das Spiel auf zu nehmen, wenn der Betroffene an Stabilität
gewonnen hat, oder weil es ja in der Struktur der dependenten Persönlichkeit
liegt, sich selbst Schuld zuzuweisen und diese Schuldgefühle über das Aufheben
der Trennung zu kompensieren, bzw. sogar ungeschehen zu machen.
Innerhalb
der Beziehung ist ja zuerst einmal folgendes passiert. Die Borderlinepersönlichkeit
hat den "Regelmechanismus", über den wir sprachen, der dependenten Persönlichkeit
übernommen. Das heißt nicht, das hat er sich zu eigen gemacht, sondern der
Borderliner regelt jetzt. Das Kontroll- und Machtbedürfnis des Borderliners
(der Borderline-Störung) wurde ja von der dependenten Persönlichkeit, Ihnen, erfüllt. Sie hätten schon
ADHS- ler sein müssen, um dem, zumindest zum Teil, hätten widerstehen zu können.
Und bei einem vollkommen "Normalen" wäre es gar nicht erst soweit gekommen,
denn der hätte den Borderliner gleich zum Teufel gejagt.
Jedes mal, wenn die dependente Persönlichkeit nun selber regeln will, kracht es gewaltig. Streit, emotionale Erpressungen, Suizidandrohungen, kurzfristige Trennungen, etc. Das volle Programm.
Da
der Borderliner Nähe nur bedingt zulassen kann, wenn dann in Form der Symbiose,
bzw. nur über einen kurzen Zeitraum, geht er wieder und wieder abrupt auf
Distanz. Wie bereits erwähnt kennt ja der Borderliner nur das "Entweder
versus Oder"
Für die dependente Persönlichkeit ist das immer wieder ein Schock aufs neue und sie muss all ihre psychischen Kräfte aufbringen um daran nicht zu zerbrechen. Sie kann die plötzliche Distanz des Borderliners überhaupt nicht verstehen oder nachvollziehen. Insofern wird jetzt in der dependenten Persönlichkeit das kleine innere Kind mit seinen, damals für das Kind überwältigenden Verlustängsten, aktiviert. Die Folge sind Schuldgefühle, da die dependente Persönlichkeit das Verhalten des Borderliners auf sich bezieht.
Der Hintergrund dessen liegt im limbischen System (dort liegt das innere Kind jedes Menschen), hauptsächlich in dem Falle in der Amygdala dem emotionalen Wächter des Menschen. Das limbische System kennt kein Gestern oder Morgen. Es ist zeitlos, es kennt nur Gefühlszustände, die wiederum neuronale Netzwerke aktivieren. Es kann also in der Situation nicht unterscheiden ob es gestern war oder jetzt ist. Die Differenzierung ob die Situation im JETZT oder GESTERN liegt und ob die Reaktion darauf angemessen ist obliegt einzig und allein dem Grosshirn / Neokortex.
Nun hat die ganze Geschichte einen Hacken. Das limbische System ist in der Regel Stärker als das Grosshirn. Sollte es nicht, ist aber leider oft so. (Ich komme später im Kapitel "emotionale Intelligenz" darauf zurück.) Das liegt daran das es in diesem Bereich definitiv um "Alter kommt vor Jugend" geht. D.h. das das limbische System deshalb mehr Macht besitzt weil es in der Entwicklungsgeschichte um ein vielfaches älter ist als das Großhirn.
Bei einer gesunden ICH-Struktur regelt das ICH über angemessene Abwehrmechanismen diesen Selbstwert nach und das Grosshirn greift ein und verklickert dem limbischen System das die jetzige Situation nichts mit der damaligen als Kind zu tun hat. Über die gesunde ICH-Struktur versteht das auch das limbische System und lässt ein Regeln des ICH zu.
Anders bei der dependenten Persönlichkeit, die ja im Bereich der Neurosen liegt -- d.h. sie verwendet immer die gleichen (falschen) Abwehrmechanismen, deren Über-ICH eine normale Regelung kaum zu lässt. Wie sie gesehen haben sind ja die Säulen I (Gewissen) und II (Leitbilder) des Über-ICH der dependenten Persönlichkeit zu stark ausgeprägt, woraus die Schuldgefühle resultiern. Die Säule III (gesunder Narzissmus) ist zu schwach ausgeprägt und die ES-Impulse bedingt durch Säule I (Gewissen) für die dependente Persönlichkeit kaum annehmbar. Wenn das nicht so wäre, wäre es ja keine dependente Persönlichkeit.
Aber zurück zu den Schuldgefühlen der dependenten Persönlichkeit. Ihr eh schon schwaches Selbstwertgefühl fällt nun noch weiter und erzeugt, (siehe psychodynamische Modell Dependent) über das ICH einen emensen Druck gegen das Gewissen. Es treten also zwei entgegengesetzt starke Energien auf, die die dependente Persönlichkeit als seelische Höllenqualen erlebt, die noch verstärkt werden das das Über-ICH die unbedingte Erfüllung vom ICH fordert. Eine seelisch schier ausweglose Situation für die dependente Persönlichkeit. Auf deutsch: die dependente Persönlichkeit ist von allen am schlimmsten dran denn sie leidet wie ein Schwein.
Kaum hat die dependent Persönlichkeit, die ja konstante Nähe sucht und auch halten kann, sich einigermaßen gefangen, nicht ohne vorher alles versucht zu haben diese Beziehung zu retten, fordert der Borderliner die erneute Symbiose. Natürlich geht die dependente Persönlichkeit, sie ist ja nicht umsonst dependent, darauf mit wehenden Fahnen ein. Im ersten Moment ist das für das Selbst und Selbstwert der dependenten Persönlichkeit eine enorme Erleichterung. Doch durch die von der dependenten Persönlichkeit nun wieder ausgehende Nähe, die wie oben gesagt der Borderliner nur zeitlich bedingt kurzfristig ertragen kann und durch die massiven unrealistischen Forderungen des Borderliners und deren Nichterfüllbarkeit, welches der Borderliner sofort wahrnimmt, erfolgt wieder der Wechsel des Borderliners in die Distanz.
Das
hat zur Folge, dass der dependenten Persönlichkeit gegen Ende der Beziehung nur
noch ein verschlissenes, klapperndes, kaum mehr funktionierendes
"Regelsystem" zur Verfügung steht. In der entgültigen Trennung dann, wobei
man ja nie weiß, welche Trennung nun die entgültige ist, bricht dieses
klapperndes "Regelsystem" wie ein marodes Holzgerüst vollkommen zusammen.
Was wir dann sehen, ist z.B. die Depression
und /oder das Abgleiten in den Substanzmittelmissbrauch.
Sie
muss durch ihre Persönlichkeitsstruktur ungeheure Energien aufbringen, um ein
Getrenntsein einigermaßen überstehen zu können. Durch Abhängigkeitsverschiebung
kann sie in einer Sucht landen. Die Schuldgefühle, die sowieso schon vorhanden
sind, sind durch die Abwertungen und Schuldzuweisungen des Borderliners, wie wir
wissen Teil der Borderline-Störung) übermächtig.
Da für sie die Beziehung oberste Priorität hat/hatte, versteht sie die kalte
und grausame Vorgehensweise (Spaltung) des Borderliners nicht. Gut, die ist eh
von kaum jemanden zu verstehen.
Und
letztlich begreift die dependente Persönlichkeit, bedingt durch ihre Persönlichkeitsstruktur,
nicht wann, bzw.
dass es vorbei (entgültig) vorbei ist. Kann sie auch nicht, da sie im Laufe der
Beziehung vom Borderliner ja regelrecht abgerichtet (konditioniert) wurde "mehr oder immer
wieder zu kämpfen", was dem Grundsatz "mehr Leistung" der dependenten
Persönlichkeit entspricht. Da sie nicht wider ihrer Natur und Abrichtung
handelt, wird sie wiederum verurteilt. Fatal, denn dies öffnet dem "Borderlinehass"
und dessen Aussagen und Handlungen Tür und Tor.
Denn jetzt bestätigt sich die Paranoia der Borderlinepersönlichkeit (Borderline-Störung), dass der zurückgebliebene Partner "der böse Verfolger" ist und kann ihn sogar, ganz modern, als Stalker darstellen.
Wir
können zusammenfassend sagen, dass in einer Borderline-Beziehung die dependente
Persönlichkeit voll auf der Strecke bleibt. Sie steht am Ende, je nachdem
wie lange sie die Tortour durchlitt, vor einem kompletten Scherbenhaufen. Nicht
zuletzt, weil sie sich in allen Bereichen voll und ganz auf die Borderlinepersönlichkeit
konzentrieren, im Sinne von Mittelpunkt, musste.
Psychisch, oft auch physisch und zu oft auch materiell zerstört, bleibt im wahrsten Sinne des Wortes, ein Häufchen Elend zurück. Doch genau, und darin liegt Ironie, kann das die Chance für die dependente (abhängige) Persönlichkeit sein, ihren dependenten Kreislauf zu durchbrechen.
Ihre ICH-Struktur nach einer solchen Beziehung
© "Team der Borderlinezone" 2005-2007