Die narzisstisch- dependente Beziehung
Erst durch sie wird sein Leben ein Leben, dennoch bleibt sie gefangen.
Betrachten wir uns nun
die Beziehung zwischen einer dependenten Persönlichkeit und einer
narzisstischen Persönlichkeit. Fast wäre man geneigt zu sagen, im großen und
ganzen unterscheidet sich diese Beziehung nicht von der vorhergehenden. Zumal ja
die Borderline-Störung die
narzisstische Störung beinhaltet.
Lassen
Sie uns genau hinsehen.
Wir
haben hier nicht das chaotische Spiel zwischen Nähe und Distanz, Symbiose und
Abstoßung, Idealisierung und Abwertung. Wir haben hier nicht die
Kurzfristigkeit der Beziehung. Wir haben hier nicht die sofortige Bedürfnisbefriedigung
und die sofortigen Triebbefriedigungen der narzisstischen Persönlichkeit sind
nicht so aggressionsbesetzt.
Auch
okkupiert die narzisstische Persönlichkeit nicht das "Regelsystem", sondern
greift gezielt, zu ihrem Vorteil und nur zu diesem, ein.
So
bleibt der dependenten Persönlichkeit mehr Regelspielraum. Das heißt aber
nicht, dass sie regeln darf, wie sie es für richtig hält. Alles nur schön
unter Aufsicht und im Interesse der narzisstischen Persönlichkeit. Weiterhin
hat die narzisstische Persönlichkeit auch kein Interesse, es zu zerstören, da
es ihm dienlich ist. Es wird höchstens von ihr, wenn notwendig, destabilisiert
und danach wieder stabilisiert. Daraus folgt natürlich eine erhöhte Abhängigkeit
der dependenten Persönlichkeit, was wiederum im Interesse der narzisstischen
Persönlichkeit liegt. Nichts anderes ist der Sinn und Zweck. Im Gegensatz zur
Borderlinepersönlichkeit verhindert die narzisstische Persönlichkeit, und muss
es auch, da sie sonst ihren Spiegel verliert, kontinuierlich eine Ablösung.
Es
geht somit nicht, wie bei der Borderlinepersönlichkeit um die Vernichtung des
Anderen. Sie erinnern sich, dass die Borderline-Störung die Projektion
der eigenen schlechten Anteile im anderen bekämpft und Bekämpfung heißt
Vernichtung bei ihr.
Moment,
werden wieder einige sagen. Das "Regelsystem" ist doch auch für die
Borderlinepersönlichkeit dienlich. Nicht ganz richtig. Sie bedient sich dessen
nicht, sondern ist dann das "Regelsystem".
Die
Borderlinepersönlichkeit hat es okkupiert (besetzt), durch die ICH- Übernahme.
In der Symbiose wird das DU zum ICH und das ICH zum DU. Es existiert keine
Trennung mehr. Das heißt, dass in der Spaltung dann Sie, die dependente Persönlichkeit,
der Okkupant sind bzw. ist.
Und
ein Okkupant muss vernichtet werden.
Die
narzisstisch- dependente Beziehung funktioniert, zumindest am Anfang, auf Basis
der Kollussion. Kollussion funktioniert auf dem uneingestandenen, unbewussten
Zusammenspiel (neurotischer) gleichartiger Beziehungskonflikte. Das heißt
nichts anderes als das, wenn jemand wie der Narzisst Angst hat, nicht geliebt zu
werden, da er nicht "groß" genug ist, er auf jemand besonderes anspricht,
der ihm genau dieses Gefühl "groß" zu sein, vermittelt.
Da
sich der Narzisst nach dem Urzustand, die ersten 1,5 Jahre, mit ständiger
Umsorgung und Bewunderung sehnt, ist ergo die dependente Persönlichkeit
besonders geeignet.
Umgekehrt,
hebt die narzisstische Persönlichkeit, natürlich nur so weit wie nötig und
wie sie es für sich braucht, das Selbstbild der dependenten Persönlichkeit an.
Hier
sehen Sie wieder, wer auch besonders gut geeignet ist. Richtig, die
Borderlinepersönlichkeit.
Ideal
wären für den Narzissten beide. Die dependente Persönlichkeit für die
Umsorgung und die Borderlinepersönlichkeit zuständig für Bewunderung und
Idealisierung. Die Kollussion vermittelt immer ein Gefühl von Unentbehrlichkeit
von einender und ermöglicht es gewissen Menschen, hier dem Narzissten, überhaupt
erst sich auf eine "Liebesbeziehung" einzulassen.
An
und für sich ist die Kollussion noch nicht pathologisch. Das wird sie erst,
wenn einer der Partner, wie in diesem Fall die dependente Persönlichkeit, auf
eine nachhaltige Rolle verpflichtet und keine abweichende Position zugelassen
wird.
Für
einen Außenstehenden scheint diese Beziehung auch nicht alterierend, d.h., dass
sie sich zum Schlimmeren verändert. Im Gegenteil, für so manchen erscheint sie
perfekt.
In
der Regel lernen sich die Beiden durch die Macht der Illussion kennen. Entweder
ist die dependente Persönlichkeit der Retter, die den Narzissten von seinen
Problemen erlöst oder sie glaubt sich am Ziel ihrer Wünsche und Träume. Und
tatsächlich glaubt sie sich am Anfang der Beziehung, ähnlich der
Borderlinebeziehung, im Nirvana. Diese Phase dauert, im Gegensatz zur Borderline-Beziehung, länger und vergeht nicht abrupt. Auch ist sie nicht
symbiotisch. Die Symbiose lehnt der Narzisst, wie wir wissen, ab.
Der
Unterschied ist auch, dass er nicht als Opfer aus der alten Beziehung kommt. Oft
lernt die dependente Persönlichkeit den Narzissten als den
"selbstbewussten", "selbstständigen", "streifenden?" Single oder
als selbstbewussten, traurigen Menschen, der nur aus Verantwortungsbewusstsein
seinen Partner nicht verlässt, kennen. Im ersten Fall ist die dependente Persönlichkeit
geradezu in den Himmel gehoben, dass der Narzisst sich ausgerechnet sich für
sie interessiert und im zweiten Fall macht ihn das nur um so symphatischer. In
beiden Fällen ist im Kopf der dependenten Persönlichkeit "er, der Narzisst
muss nur genügend geliebt werden, dann....."
Dass
die narzisstische Persönlichkeit in Wirklichkeit nicht intim und liebesfähig
ist, weiß sie nicht und wenn sie es wissen würde, würde sie glauben, dass sie
ihn mit ihrer Liebe schon fähig machen würde. Er müsste nur genug geliebt
werden.
Und
was seine momentanen Probleme betrifft, hat er halt nur mal Pech gehabt.
Auch
weiß die dependente Persönlichkeit nicht, dass ein Narzisst keinerlei
Verantwortungsbewusstsein hat. Aber auch, wenn sie das alles wüsste, bliebe die
Frage, ob sie einen Narzissten überhaupt als solchen erkennen würde.
Höflich,
galant, zuvorkommend, hilfsbereit, gepflegt, einfühlsam, verständnisvoll,
liebenswürdig, endlich jemand der einen versteht, die ganze Palette positiver
Eigenschaften, so lernt die dependente Persönlichkeit den Narzissten kennen.
Überhaupt
spricht die ganze Erscheinung, der Status und/ oder der materielle Anschein, für
einen erfolgreichen Menschen, der mit beiden Beinen im Leben steht.
Dieser
Mensch hat gar keine Angst, schon gar nicht vor Beziehungen und kann mich somit
mit meinen Ängsten auffangen, denkt sich die dependente Persönlichkeit.
Dass sie als Mäuschen
dem Habicht gerade in die Fänge ging, begreift sie, wenn überhaupt, zu spät.
Auch nicht, dass der Habicht Meister seines Faches ist. Narzissten sind Jäger,
keine Beute. Blitzschnell hat er sein Opfer erspäht und als Klasse A
identifiziert. Die Signale der dependenten Persönlichkeit sind eindeutig. Es würde
den Rahmen sprengen, dies hier zu erklären.
Wie Habichte nun einmal
sind, hat der Narzisst auch blitzschnell seine Jagdstrategie zur Hand. Rums, und
wehrlos von Gefühlen überwältigt, will das Mäuschen gar nicht fliehen. Im
Gegenteil. Das ist ein lieber Habicht, der frisst keine Mäuschen, er beschützt
sie. Der Narzisst weiß sehr schnell, wie er die dependente Persönlichkeit für
sich nutzbar macht. Er weiß sicher nicht, dass er ein Narzisst ist und dort
eine dependente Persönlichkeit. Er weiß aber, dass er ein Jäger ist und dort
ein Mäuschen.
Bei der Nutzbarmachung,
der für ihn zweckdienlichen ???? (Wut) hilft ihm vor allem die Offenheit und
der Altruismus der dependenten Persönlichkeit
Sehr schnell findet er
die für ihn maßgeblichen Schalthebel der dependenten Persönlichkeit. Die da wären
Trennungsangst, Angst vor Ablehnung und der "Traum, wie es sein könnte".
Damit steuert er, ganz subtil und fein abgestimmt die ganze Beziehung.
Liebe vergeht, Macht
besteht. Dies hat der Narzisst sehr früh gelernt. Nach diesem Motto handelt er.
Durch diese feine
Abstimmung kann das Jahre funktionieren.
Der Narzisst hält sich
bei der dependenten Persönlichkeit die Bewunderung, die er braucht. Dafür muss
er nichts leisten, die bekommt er von ihr umsonst und uneingeschränkt. Ok.,
sind wir ehrlich, nicht ganz umsonst. Ab und zu, doch das ist nicht die Regel,
ist es notwendig, ein wenig Schaum zu schlagen.
Das Mäuschen, unsere
dependente Persönlichkeit, wird zwar vom Habicht, dem Narzissten, nicht
gefressen, sitzt aber in einem goldenen Käfig.
Auf der einen Seite
kompensiert das die Wirtschaftlichkeitsängste der dependenten Persönlichkeit,
auf der anderen Seite dient es dem Narzissten dazu, nach außen hin zu repräsentieren
und sich auch von dort die Bewunderung zu holen. Natürlich holt sich die narzisstische
Persönlichkeit auch auf der anderen Basis, unter anderem in Form von Seitensprüngen,
Affairen, etc., die Bewunderung, auf die er so angewiesen ist. Oft wird hier
noch sogar das Geld der dependenten Persönlichkeit verwendet.
Sollte sich die
dependente Persönlichkeit aus dieser Beziehung lösen wollen, gelingt dies oft
aus wirtschaftlichen Gründen nicht, da der Narzisst in einem solchen Fall
knallhart die materielle Seite einsetzt, um die dependente Persönlichkeit am
Gehen zu hindern.
Aber auch der Hebel
"Traum, wie es sein könnte", die anderen beiden Hebel sind in dieser
Situation nicht mehr zu gebrauchen, wird dann ganz scharf, in Verbindung mit
Apellen an das Schuldbewusstsein der dependenten Persönlichkeit, angezogen.
Zwischendurch
werden Schuldgefühle in die dependente Persönlichkeit induziert. Meist
in Verbindung mit der Mutation des Narzissten zum hilfebedürftigen Kleinkind.
Da die narzisstische Persönlichkeit,
wie auch die Borderlinepersönlichkeit, emotional auf einer infantilen
Entwicklungsstufe stehen, kann es in solchen Situationen, leider viel zu oft,
zur Gewalt kommen.
Man kann nicht einfach
sagen, der Narzisst verliert die Gewalt über sich. Dies würde es nicht
treffen. Er fällt in solchen Situationen, durch die überstarke Aktivierung des
Todestriebes, zurück auf diese kindlichen Stufen. Das heißt aber nicht, dass
sein Verstand aussetzt. Im Gegenteil. Das Zurückfallen bezeichnet hier das
Reaktions-/ Handlungsmuster.
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