Narzissmus

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Der Ursprung des Ausdrucks " Narzisst" liegt in der Sage das Narziss (Narcissus) der sich dem Begehren der Nymphe Echo verweigert. Er will lieben doch erkennt nicht die, ihre, Liebe. Statt dessen sitzt er  am See starrt ins Wasser und begehrt sein eigenes Spiegelbild, was er aber nicht haben kann. Darüber verzweifelt er bis er schließlich stirbt. An seiner (Todes) Stelle wächst eine Blume, die Narzisse.

So könnten wir einfach sagen: " ein Narzisst ist in sich selbst verliebt" leider ist die Störung weit komplizierter als das Wort es darstellt. Sie werden hier sehr viele Ähnlichkeiten zur Borderline-Störung finden, dennoch, sie ist es nicht. Viele Therapeuten verwechseln dies und richten damit mehr Schaden als Nutzen an. Im DMSR sind die Items fast gleich. Nicht verwunderlich das viele Falschdiagnosen getroffen werden. 

Richtig ist das das die Borderline-Störung viel mit dem  pathologischem Narzissmus zu tun hat, da diese Störung, wie auch die Borderline-Störung, eine frühkindliche Störung ist und die narzisstischen Eigenschaften sich ja auch vor der Borderline-Störung entwickeln. Des weiteren sucht sich der Narzisst sehr oft eine Borderline-Störung (Borderlinepersönlichkeit) oder dependente Persönlichkeit für eine Beziehung (Komplementärstörung).

Und hier geht die Sage weiter. Nach dem Tod von Narziss kommt die Nymphe Echo weinend, über den Tod von Narziss, an den See. Trübe und schmutzig liegt das einst so klare Wasser vor ihr und sie fragt den See "Warum bist du so trübe?" Der See antwortet "Ich bin traurig das sich keiner mehr in mir spiegelt. Jeden Tag spiegelte ich Narziss, es war mein Lebensinhalt, es tat so gut ihn zu spiegeln" 

Der Narzissmus als solches ist von der Psychologie lange Zeit vernachlässigt worden. Dies zeigt sich darin das nicht einmal das ICD 9 (erst ab ICD 10) ihn als alleinige Störung klassifiziert. Anders im DSM, dort besteht sie als alleinige Störung schon sehr viel länger.

Wir wollen Ihnen helfen einen Weg aus dem Sumpf der Diagnostik zu finden. 

Auch hier gilt die die Aussage: " wann ist die Grenze zur Krankheit überschritten?"  Dies zu beurteilen fällt sogar Profis schwer, denn ein gesunder Narzissmus ist in jedem von uns vorhanden und muß auch sein.

Kommen wir aber zum pathologischen (krankhaften) Narzissmus. 

Menschen mit dieser Störung unterliegen eines Mangels (Störung) ihres Selbstbewusstseins welches aber im Zusammenhang mit ihren Objektbeziehungen (also Menschen die sie "lieben" oder mögen) steht. Dies stellt sich oft, fast immer, in Omnipotenz ( Allmacht / ich bin der Größte) aber auch im gleichzeitigen Bezug " ich brauche dich um groß zu sein" dar.

Sie fallen durch ein ungewöhnliches Maß an Selbstbezogenheit auf. Sie haben den starken Drang von anderen geliebt und bewundert zu werden und haben in der Regel ein sehr aufgeblähtes Selbstkonzept. Sie empfinden wenig Gefühl für andere, das heißt ihnen fehlt es an Emphatie. Sie setzen eine Fassade auf die dem anderen Glanz und Gloria vermittelt, doch hinter dieser Fassade sind sie rastlos, ruhelos. Starker Neid auf andere beschäftigt ihren Alltag..

Die zwischenmenschlichen Beziehungen dieser Menschen haben eine eindeutig ausbeuterischen Charakter. Sie nehmen sich das Recht heraus über andere Menschen ohne Schuldgefühle zu verfügen, sie zu beherrschen. 

Die Hauptkennzeichen einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist / sind Größenideen mit einer extrem egozentrischen Einstellung. 

Kommen wir zur Abwehr der Narzissten. Auch sie unterliegen den primitiven Abwehrfunktionen wie Spaltung, Verleugnung, Idealisierung und projektiver  Indentifiizierung.

Im Gegensatz zur Borderline-Störung verfügt der Narzisst aber über eine bessere Impulskontrolle. Sie weisen in anstrengenden (sozialen) Situationen, ein extremes Maß an Selbstbeherrschung auf. 

Wie Sie bereits wissen sprachen wir vom "ICH, ES, ÜBER-ICH" (siehe Psychodynamisches Modell narzisstische Persönlichkeit). Bei der narzisstischen Störung verschwimmen, wie bei der Borderline-Störung, die Ich-Grenzen nicht. Er weiß sehr genau zwischen "ICH und DU" zu unterscheiden. Er, der Narzisst, hat ein "Ich-Ideal" welches er verschmelzt mit dem Idealobjekt  (in dem Falle womöglich Sie).

Aber auch er unterliegt der starken Projektion. Jeder Mensch von uns hat Anteile die er nicht mag. Der Narzisst projiziert seine für ihn nicht akzeptablen Anteile auf den anderen , die Anteile die sich nicht in sein Selbstkonzept einschmelzen lassen, und entwertet diese dort. Ergo, er entwertet den anderen in seiner Persönlichkeit, doch entwertet er nur sich selbst. Dies wiederum tut ihm weh, worauf er noch mehr abwertet. Ein Teufelskreis für ihn.

Allerdings kommt hier eines zum tragen. Alle Personen mit denen der Narzisst zu tun hat bedingen einen Zweck. Sollte dieser Zweck nicht erfüllt werden, ausgenommen die Person/en die er gerade idealisiert, erlebt er die Person wie einen leblosen Schatten.

Der Narzisst ist ein ausgehungerter Mensch, wütend, rastlos, innerlich leer  und versucht dieses Defizit durch andere Menschen auszugleichen. In ihm arbeitet ein ohnmächtiger Zorn über die Verletzungen der Kindheit, doch gleichzeitig in der Furcht vor der Welt die ihm geboten wird. Er folgt der Devise " dieser Mensch kann etwas für mich erledigen oder nicht"

Auch beim Narzissten finden wir im sexuellen Bereich exhibitionistische Tendenzen. Das oberste Ziel eines Narzissten ist es sein "Größen-Selbst" zu erhalten.

Wir können also sagen das man unter Narzissmus nicht nur das krankhafte Extrem der Selbstsucht versteht sondern auch das krankhafte Streben der Selbstliebe. Die Philosophie und Psychologie spricht ja auch davon das man nur lieben kann wenn man sich selbst liebt. Insofern richtig, doch kippt hier die ganze Geschichte ins Gegenteil. D.h. die Liebe des Narzissten zu sich selbst ist so stark das sie nichts anderes zu läßt. Er somit nicht liebesfähig ist.

Da der Narzissmus wie bereits erwähnt eine frühkindliche Störung ist, belasten ihn auch die gleichen Ängste wie den Borderliner. Dem Narzissten fehlt es also an Sicherheit. Sicherheit gegenüber dem Leben. Er kann sich nicht in das "Gefüge" der Umwelt geben. Er muß etwas " Besonderes" sein, nicht zuletzt aus seiner Angst heraus, die damit kompensiert wird.

Wir können nun auch sagen das der Narzisst in sich, genauso wie der Borderliner, gespalten ist. Würden wir das sagen wäre es falsch. Beide habe ein kindliches Defizit erlitten doch der Narzisst anders als der Borderliner. Da beide Entwicklungsstufen aneinander hängen bzw. in einander übergehen sind auch die Störungen sehr ähnlich und leicht verwechselbar. Der Borderliner sucht die Symbiose der Narzisst die Liebe ohne sich selbst aufgeben zu müssen. Aufgeben heißt bei ihm nicht wie beim Borderliner Tod, sondern "sein Weltbild" aufgeben. Dies hieße für ihn in das Urvertrauen zu kehren welches er nie hatte. Die Angst davor lässt ihn das Gegenteil tun. Seine Umwelt, sein Partner sind also dafür notwendig um im Leben bestehen zu können, um "etwas darzustellen". Nach Maslow (Bedürfnispyramide) muss der Mensch verschiedene Stufen durchlaufen. Keine kann übersprungen werden. Wenn ein Mensch in den untersten Stufen nicht das bekam was ihm zusteht (Liebe) versucht er es in und über die späteren Stufen zu kompensieren (Geld, Auto, Macht).

Der Ausspruch " liebe deinen nächsten wie dich selbst" ist für den Narzissten der reinste Horror. Denn im tiefsten Innersten mag sich (liebt) der Narzisst sich nicht. Er liebt den Spiegel in dem er sich sieht. Durch ihn lebt er, durch ihn ist er existent. Nimmt man einem Narzissten den Spiegel ist er wie ein Wurm unter Gottes Erden. Der Spiegel kann vieles sein. Sie als Partner, Geld, Macht. In der Regel wird er versuchen diese drei Dinge zusammen zu bringen.

Er, der Narzisst, sehnt sich nach dem Urzustand. Also seine ersten Lebensmonate in denen es keine Trennung zwischen Objekt (Umwelt) und ihm (selbst) gibt. Wir wissen ja bereits das die Symbiose (die absolute Verschmelzung) nicht mehr im Erwachsenenalter stattfinden kann. Insofern kann der Narzisst nur Teilaspekte einer Beziehung zu lassen. Nämlich die, die für ihn nicht Angst einflössend sind. In der Partnerschaft tritt beim Narzissten schmerzlich das "getrennt" sein zu Tage. Aus diesem Grunde ist eine narzisstische Beziehung sehr anfällig auf Störungen von innen und von außen. Narzisstische Zweierbeziehungen sind in der Regel sehr starr und wie Glas können sie in Bruchteilen in tausend Stücke zerspringen.

Der Narzisst hat Angst vor einer festen Partnerschaft obwohl er sich danach sehnt. In der Regel ist der Partner den er wählt in Intelligenz, und sozialer Herkunft unterlegen. Dies muß sein da der Narzisst in Beziehungen immer manipuliert um  seine Bedürfnisse befriedigen zu können.

Eine narzisstische Beziehung ist im ständigen Konflikt. Zum einen nach dem Motto " ich bin böse weil du mir Verpflichtungen auflegst und mich einengst" zum anderen " ich enge dich ein weil du rücksichtslos zu mir bist".  Je starrer und extremer diese Haltung ist desto größer ist der Beziehungskonflikt. Hier liegt aber noch ein anderes Urproblem narzisstischer Beziehungen. Narzisstische Beziehungen beruhen immer auf gegenseitiger Abhängigkeit. (Der Narzisst wählt sich oft die hysterische, infantile, dependente (abhängige) Persönlichkeit oder Borderlinepersönlichkeit. Durch die Abhängigkeit und Konzentration auf den Partner isoliert der Narzisst sich aber immer mehr und dies begünstigt bei ihm das Gefühl der "Beziehungsfalle".

Die narzisstische Störung wird vom Borderliner wiederum als Beziehung oft bevorzugt.  Komplementärstörung

© "Team der Borderlinezone" 2002-2007

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